Berlin : Endstation Südwestkirchhof

Bis zum Mauerbau hielt hier die „Witwenbahn“. Die Stahnsdorfer Ruhestätte bleibt ein Geheimtipp.

Weites Feld. Der Südwestkirchhof liegt versteckt hinter Berlins Stadtgrenze. Foto: Steyer
Weites Feld. Der Südwestkirchhof liegt versteckt hinter Berlins Stadtgrenze. Foto: Steyer

Nicht jedes Straßenschild hält, was es verspricht. Bahnhofstraße – aber weit und breit kein Stahnsdorfer Bahnhof, von dem aus man den Südwestkirchhof, Deutschlands zweitgrößte Ruhestätte, erreichen könnte. Allerdings: Es gab ihn mal. Die ehemalige Bahnhofsgaststätte erinnert noch an die früher viel befahrene Strecke mit dem ungewöhnlichen Namen Friedhofsbahn, außerdem einige gespenstisch anmutende und zugewachsene Gleise im Wald und eine Brücke in der Nähe des Königsweges. Der Volksmund nannte die rund vier Kilometer lange Verbindung zwischen den S-Bahnhöfen Wannsee, Dreilinden und Stahnsdorf Leichen- oder auch Witwenbahn. Die aber existiert seit dem Mauerbau am 13. August 1961 nicht mehr. Und alle Bemühungen seit der Wiedervereinigung, die eingleisige Strecke wieder in Betrieb zu nehmen, scheiterten am Aufwand.

Ein Jammer, denn dies hätte auch dem Südwestkirchhof mehr touristische Aufmerksamkeit gebracht. So bleibt die historische Anlage mit ihren 120 000 Gräbern auf 206 Hektar Fläche weiter ein Geheimtipp. Ursprünglich war sie ab 1906 lediglich für die im Südwesten Berlins verstorbenen Menschen bestimmt, aber schnell entwickelte sie sich zur Stätte für berühmte Persönlichkeiten: Wissenschaftler, Unternehmer, Politiker und Kulturschaffende. Auf Grabmälern liest man die Namen von Industriellen wie Werner von Siemens, von Telefunken-Chef Georg Graf von Arco oder Flugzeug- und Autokonstrukteur Edmund Rumpler. Man erinnert sich an Künstler wie Heinrich Zille, Engelbert Humperdinck und Lovis Corinth. Die hölzerne Friedhofskapelle ist etwas Besonderes. Sie entstand nach dem Vorbild norwegischer Stabkirchen zwischen 1908 und 1911.

Auch Albert Speers „Welthauptstadt Germania“-Pläne schlugen sich dort nieder. Vier im Bezirk Schöneberg gelegene Friedhöfe standen der Nord-Süd-Achse und dem großen Süd-Bahnhof im Wege. Von Mitte der dreißiger Jahre bis 1940 wurden daher rund 15 000 Grabstätten von diesen Friedhöfen nach Stahnsdorf umgebettet. Darunter befand sich auch das Grab vom Vater des Architekten und Bauhaus-Gründers Walter Gropius oder des Verlegers Gustav Langenscheidt. Ste.

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