Berlin : Engel ohne Flügel

Figuren in Kirchen sollen saniert werden.

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Malchow - Wenn ein Kind getauft wurde im kleinen Malchow, ganz im Norden des Landkreises Uckermark, hatte er seinen großen Auftritt: der Taufengel. Von der Decke der Kirche schwebte die bunt bemalte, geflügelte Holzfigur herunter, gehalten von einem Seil, in den Händen eine Schale mit dem Taufwasser. So war das Brauch und Sitte, seit dem Barock, als überall in Brandenburg die Himmelsboten als liturgisches Accessoire zur Taufe groß in Mode kamen. Doch 1958 wurde die Kirche von Malchow wegen Baufälligkeit geschlossen. Der Taufengel verschwand auf dem Dachboden, später wurde er im Kirchlein des Nachbardorfes Göritz in der Turmhalle aufgehängt. „Nicht in der eigentlichen Kirche, denn alle wussten ja: Der Engel gehört nach Malchow“, sagt Pfarrer Thomas Dietz.

Mittlerweile wird die Kirche von Malchow saniert. Im kommenden Jahr soll sie von Bischof Markus Dröge feierlich wiedereingeweiht werden. Auch der Taufengel soll dann wieder in der Kirche hängen. Doch bis es soweit ist, braucht der Himmelsbote eine Schönheitskur. So wie fünf weitere Taufengel, für deren Restaurierung die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, der Verein „Alte Kirchen Berlin-Brandenburg“ und das Brandenburgische Landesdenkmalamt mit der Aktion „Menschen helfen Engeln“ um Spenden bitten. Einem Engel fehlen Flügel und Arme, ein anderer ist von Schimmel und Schädlingen befallen. Doch die Chancen, dass die auf Werbepostkarten und Plakaten vorgestellten Taufengel demnächst restauriert werden können, sind gut. Denn schon 2009 und 2010 baten die Organisatoren von „Menschen helfen Engeln“ um Spenden, um zwölf der rund 150 in märkischen Dorfkirchen erhaltenen Taufengel zu restaurieren. 39 000 Euro kamen zusammen, berichtet Bernd Janowski, Geschäftsführer des Vereins „Alte Kirchen“. Alle damals vorgestellten Engel seien mittlerweile fertig, oder wenigstens in Arbeit.

Darüber freut sich Pröpstin Friederike von Kirchbach: „Taufengel bringen die Mittlerfunktion, die Engel zwischen Gott und den Menschen haben, besonders schön zum Ausdruck“, sagt die Theologin. Brandenburgs Wissenschaftsministerin Sabine Kunst (parteilos) würdigte zum Start der Spendenaktion die Taufengel als wertvolle Ausstattungsstücke märkischer Dorfkirchen: Sie seien ein „anrührendes Zeichen der Volksfrömmigkeit“, sagte die Ministerin. „Heute können sich Menschen einen eigenen Engel aussuchen – und zugleich ist das die letzte Rettung für manche Figur.“ So wie für den Engel aus Malchow, der wieder von der Kirchendecke seines Gotteshauses herabschweben soll. Benjamin Lassiwe

Weitere Informationen:

www.altekirchen.de

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