Berlin : Englische Zurückhaltung

Der Mäzen aus Großbritannien bleibt geheimnisvoll Doch niemand bezweifelte seine Großzügigkeit

Klaus Kurpjuweit

Es gibt ihn wirklich – den geheimnisvollen Mäzen, der dem Deutschen Technikmuseum Millionen vermachen will. Direktor Dirk Böndel hat, wie er sagt, mehrfach mit Glenn Lacey gesprochen, auch wenn er den Namen offiziell nicht nennen darf. Der englische Geschäftsmann scheut die Öffentlichkeit und will über seine Absichten nicht laut reden. Dass sein Name dennoch bekannt wurde, war eine Panne. Jede Reise nach Berlin war eine Geheimtour und nur wenigen Eingeweihten bekannt.

Lacey hat Böndel sogar sein Testament gezeigt. In ihm hat der kinderlose Geschäftsmann dem Berliner Museum insgesamt zehn Millionen Pfund (14,5 Millionen Euro) vermacht. 5,5 Millionen Euro wollte er bereits Ende 2005 lockermachen, um den Bau eines Riesenrades am Museum zu verhindern. Mit seinem Geld wollte Lacey den Ausbau des Museums vorantreiben, der mit dem Riesenrad erwartete Rummel rings um das Museum störte ihn.

Kontakte hatte es schon lange gegeben. Lacey ist ein „Flugzeugverrückter“ – ähnlich wie der Leiter der Luftfahrtsammlung des Museums, Holger Steinle. Lacey verdient sein Geld mit einem Unternehmen aus der Luftfahrtbranche, das an einem Flughafen in der englischen Grafschaft Surrey sitzt. Und er gibt das in der Luftfahrt verdiente Geld zum Teil auch gleich wieder für die Luftfahrt aus: Für den Kauf von alten Flugzeugen. Lacey soll mehrere deutsche Kriegsflugzeuge besitzen, die fast alle noch fliegen können. Dazu gehören dem Vernehmen nach ein Jagdflugzeug „Messerschmitt BF 109, eine „Focke Wulf FW 190“ und auch ein Sturzkampfbomber „Junkers Ju 87“. Hinzu gesellen sich zwei „Fieseler Störche“, einmotorige Aufklärungsmaschinen aus den 30er Jahren. Doch auch über diese Sammlung will Lacey nicht reden – außer mit Holger Steinle vom Museum.

Lacey sei, heißt es im Museum, begeistert von der Berliner Sammlung , die ihren Neubau im April 2005 bezogen hat. Zur Eröffnung war Lacey allerdings nicht erschienen. Oder er war wieder gut versteckt worden.

Allerdings ist bisher auch das versprochene Geld nicht angekommen. Lacey habe die Überweisung schriftlich angekündigt, sagt Museumschef Dirk Böndel. Darauf hätten sich alle verlassen – er und der damalige Kultursenator Thomas Flierl (PDS).

Einklagbar sei das Geld aber nicht, gibt Böndel zu. Und überhaupt: Wer wolle denn schon einen Mann verklagen, der doch Millionen spenden will? Noch hat Böndel die Hoffnung nicht aufgegeben. Lacey brauche das Geld derzeit für neue Entwicklungen in seiner Firma, die wohl noch nicht zu den erhofften Erträgen geführt hätten. Später aber werde er gewiss zahlen. Doch leise Zweifel gibt es inzwischen auch bei Böndel. „Vielleicht war ich zu gutgläubig“, sagte er gestern.

Ein Schaden für das Land sei jedenfalls nicht entstanden. Wenn alle Stricke reißen und das Museum nicht erweitert wird, könne der Senat die jetzt erworbenen Flächen auch wieder verkaufen – für weit mehr als die jetzt ausgegebenen 5,5 Millionen Euro, ist Böndel überzeugt.

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