Allergien und Verliebtsein haben ähnliche Symptome

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Entertainer Bodo Wartke über Allergien : "Pollen sind nichts für Weicheier"
Bodo Wartke
Bodo WartkeFoto: Mike Wolff

Wie kam es dazu, dass Sie die Allergie in eines Ihrer Lieder einbauten?

Das Lied „Frühlingsgefühle“, in dem ich meine Pollenallergie thematisiere, habe ich erst Jahre nach der Allergiediagnose geschrieben. Generell singe ich gern über Liebesbeziehungen und in dem Lied bringe ich beides zusammen, indem man zunächst alle allergischen Symptome wie Atemlosigkeit, Tränen in den Augen oder ein kribbeliges Bauchgefühl als Zeichen des Verliebtseins interpretiert. Ich will damit das Publikum zunächst auf eine falsche Fährte führen. Außerdem finde ich es kabarettistisch interessant und irrsinnig spannend, Sachen miteinander zu verarbeiten, die auf den ersten Blick gar nichts miteinander zu tun haben. Und um auf ein Thema wie eine Pollenallergie im Sinne einer medizinischen Volksaufklärung aufzugreifen, ist so ein Song vielleicht die unterhaltsamste Form. Außerdem wollte ich schon immer ein Wort wie „Desensibilisieren“ in einem Liebeslied verarbeiten (lacht laut). 

Sie bezeichnen die Pollenallergie selbst als „Problem, das Sie früher noch nicht hatten“. Dieses Motiv greifen Sie auch in einigen anderen Liedern auf. Steht dahinter eine tiefere Bedeutung?

Ja, durchaus. Denn Lieder zu schreiben über Probleme, die ich früher noch nicht hatte, zum Beispiel über Krankheiten, hilft mir immer, mit diesen Problemen klarzukommen. Das nimmt sie zwar nicht weg, aber ich sage mir immer, dass ich so wenigstens einen guten Song schreiben konnte, den es andernfalls nicht gäbe. Diese Denkweise hilft mir zum Beispiel auch immer bei Liebeskummer, da ich in vielen meiner Lieder auch meine eigenen gescheiterten Liebesbeziehungen verarbeite. Allerdings haben die, die gescheitert sind, nichts mit meiner Pollenallergie zu tun (lacht). 

In Ihrem neuen Programm gibt es auch wieder einen Song mit medizinischem Bezug. Was hat es damit auf sich?

Stimmt, im aktuellen Programm spiele ich ein Präludium von Bach in C-Moll. Auch in diesem Lied denkt man erst einmal, dass es um eine Liebesgeschichte mit einer Frau geht. Später stellt sich jedoch heraus, dass es sich in Wirklichkeit um eine Sehnenscheidenentzündung handelt. Auch dahinter steckt eine längere Geschichte: Denn meine Sehnenscheidenentzündung vor Jahren hat entscheidend dazu beigetragen, mein Musikstudium auf Eis zu legen und es dann letztendlich abzubrechen, um fortan hauptberuflich als Künstler tätig zu sein. Das war damals kein leichter Schritt, aber heute sehe ich das mit ganz anderen Augen und denke, dass es genau richtig war.

 Wie reagiert das Publikum auf Ihre Lieder mit medizinischem Inhalt?

Eigentlich nicht anders als auf die anderen Lieder. Als Künstler freue ich mich natürlich, wenn die Inhalte gut ankommen und die Leute lachen. Generell finde ich Feedback wichtig im Leben, und tatsächlich erhielt ich gerade aus dem gesundheitlichen Bereich in letzter Zeit zwei für mich sehr bedeutendeRückmeldungen: Das erste kam von meiner Mutter, als wir uns über berufliche Werdegänge unterhielten. Ich sagte ihr, dass ich ihren Beruf als Ärztin als sehr nützlich ansehe, weil durch Mediziner Menschen wieder gesund werden. Und sie, die sie sich über eine lange Zeit sorgte, ob ihr Sohn als Künstler einen vernünftigen Beruf ausübe, entgegnete mir nur: „Aber was du machst, kann vielleicht bewirken, dass die Menschen gar nicht erst krank werden.“ Das freute mich sehr. Der andere Fall war eine Zuschauerin, die nach einer Show auf mich zukam: Sie erzählte mir, dass sie ihrem Sohn, der im Wachkoma liegt, einige meiner Lieder vorspielte. Und tatsächlich konnten die behandelnden Ärzte mit neurologischen Messmethoden wohl sehen, dass der Junge auf die Witze und Pointen in meinen Liedern reagierte. Als die Mutter mir das sagte, war ich echt überwältigt. 

Weil Sie gerade das Feedback von anderen Leuten angesprochen haben und um noch einmal auf die Pollenallergie zurück zu kommen: Was macht es für Leute, die nicht betroffen sind, so schwierig, den Allergiker in seinem Leid zu verstehen?

Ich glaube, solange man selber keine allergischen Reaktionen kennt, kann man sich das ganz einfach nicht vorstellen – das ging mir früher auch so. Damals hatte ich das Phänomen Heuschnupfen belächelt und dachte: „Was, Allergien? Das haben doch die anderen. Und überhaupt, so eine Allergie kann doch nicht so schlimm sein.“ Ich hielt Pollenallergiker für Weicheier – bis ich dann selbst eine bekam. Und wie gesagt: Als ich noch nicht wusste, dass es eine Allergie ist, dachte ich, ich hab ’ne wochenlange, richtig üble, fiese Erkältung, die nicht weggeht. In meinem ersten Sommer mit der Allergie und ohne Präparate dagegen ging es mir echt dreckig. Und wenn sie auf die Lunge geht, fühlt man sich wirklich richtig krank. Noch dazu denkt man ja in der Regel, dass so eine ultramiese Erkältung typischerweise an schlechtes Wetter geknüpft sein müsste und nicht an gutes: Die meisten Leute werden krank, wenn das Wetter schlechter wird – als Allergiker hingegen fühlt man sich krank bei meist strahlendem Sonnenschein und super Wetter. Das allein wirkt ja schon recht ambivalent. Da freut man sich direkt, wenn es regnet, weil dann die Pollen weggespült werden.   

Zum Abschluss: Was ist Ihr Tipp für die anderen Allergiker da draußen?

Ich denke, es ist sehr sinnvoll zu wissen, was genau der Auslöser ist. Daher rate ich andern Allergikern, sich einmal genau untersuchen zu lassen, wogegen und wie stark man eigentlich allergisch reagiert. Wenn man nicht mehr mit nur so einer diffusen Ahnung durch die Welt rennt, kann man es auch gezielter behandeln. Mir hat am Anfang auch geholfen, mit anderen Allergikern und Ärzten zu besprechen, was die Allergie bedeutet und wie man sie behandelt. Hilfe und Aufklärung findet man hier zum Glück ja an jeder Ecke und besonders in Berlin gibt es nichts, was es nicht gibt. Und natürlich muss man sich als Allergiker nicht gerade an die Orte begeben, an denen besonders viele Pollen herumfliegen. Daher rate ich: „Geh nie in den Birkenwald, denn die Pollen wirken bald.“

 

Das Gespräch führte Leonard Hillmann. Entertainer Bodo Wartke (Jahrgang 1977) ist ein musikalisches Multitasking-Talent: Er dichtet, singt und spielt Klavier, tanzt und steppt, spielt Mundharmonika, Ukulele sowie Melodika und musiziert auch mit dem Cachon, der Tavalimba oder Schütteleiern. Wartke ist mit Liebesliedern bekannt geworden, die sich oft um Frauennamen drehen. Die Strophen seines „Liebesliedes“ beherrscht er in 88 Sprachen und Dialekten. Seit einigen Jahren lebt der gebürtige Bad-Schwartauer in Berlin-Kreuzberg. Die neue Ausgabe von Tagesspiegel GESUND unter dem Thema „Haut und Allergie“ erscheint am kommenden Donnerstag. Es kostet 6,50 Euro und ist erhältlich im Zeitschriftenhandel und im Tagesspiegel-Shop unter Telefon 030 29021-520. Und noch ein Tipp: Das Pollenallergie-Duett von Bodo Wartke und seiner Kollegin Melanie Haupt finden Sie unter www.bodowartke.de/medien (in der Suchmaske „Frühlingsgefühle“ eingeben) oder www.youtube.com/watch?v=u9OPg4kygOw.

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