Berlin : Enttäuschte Anleger wollen das Riesenrad retten

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Der Showunternehmer Peter Massine und der Vermögensverwalter Jens Werhahn wollen das Riesenrad in Berlin retten. Ihre Idee: Mit der Hilfe enttäuschter Anleger, die 2006 viel Geld in den geschlossenen Immobilienfonds „Global View“ gesteckt haben, soll die alte Geschäftsführung des Fonds abgelöst und das spektakuläre Projekt wieder in Schwung gebracht werden. Das Problem: Von den 208 Millionen Euro, die für Aussichtsräder in Berlin, Peking und Orlando damals eingesammelt wurden, sind nur noch 19 Millionen Euro da.

Bisher fanden sich auch keine Banken, die bereit waren, hohe Kredite für den Bau der Riesenräder zur Verfügung zu stellen. Der Fonds steht vor dem Aus. Doch jetzt haben sich mehrere hundert Anleger um Massine und Werhahn geschart. Auf der nächsten Gesellschafterversammlung, die frühestens im April stattfindet, wollen sie die Kontrolle übernehmen. Die einfache Mehrheit der anwesenden Kommanditisten würde reichen, um die Geschäftsführung auszuwechseln. Sollte das gelingen, ist Massine optimistisch, einen Generalunternehmer und neue Geldgeber für das „fantastische Vorhaben“ zu finden. Ihn treibt die „blanke Wut gegenüber den Banken, die den Fonds vertrieben, daran 57 Millionen Euro an Provisionen verdient und anschließend das Kapital tausender Kleinanleger vernichtet haben“.

Gegenspieler der aufgebrachten Kapitalgeber sind die Deutsche Bank, die Citibank und das Bankhaus Wölbern, die den Fonds 2006 vertrieben haben. Und natürlich die Privatbank Delbrück, Bethmann, Maffei (DBM), deren Investment GmbH den Fonds aufgelegt hat. Mutterkonzern der DBM ist die holländische Staatsbank ABN Amro. Die Kreditinstitute haben ein ganz anderes Konzept für den notleidenden Fonds. Sie wollen den Anlegern ein Abfindungsangebot machen, also die Fondsanteile zurückkaufen. Mehr als 60 Prozent des eingesetzten Kapitals werden die Fondszeichner nicht wiedersehen, schätzt Massine. Er hofft, dass sich die Anleger nicht darauf einlassen, sondern sein Konzept stützen.

Jens-Peter Gieschen von der Kanzlei für Wirtschafts- und Anlagerecht in Bremen und Hamburg, sieht juristische Möglichkeiten, die Banken unter Druck zu setzen. Sollte es nicht dazu kommen, mit neuer Geschäftsführung die marode Fondsgesellschaft neu aufzustellen, könnten die Zeichner mit guter Erfolgsaussicht auf Schadenersatz klagen. Der rechtliche Hebel ist die Provision, die die Banken für den Vertrieb der Anlage kassiert haben. Im Prospekt wurden zehn Prozent genannt. Nach Angaben der Zeichneropposition waren es aber zwei Prozent mehr – als Gegenleistung für die „Due Diligence“ (Risikobewertung).

Das bietet nach Einschätzung mehrerer Anwälte, die bundesweit frustrierte Anleger des „Global View“ vertreten, gute Klagechancen. „Die Banken sollten sich gut überlegen, was sie am Ende teurer kommt“, sagt Rechtsanwalt Gieschen. „Die komplette Entschädigung der Zeichner oder die Finanzierung der Riesenräder.“ Ob die geplante „Revolution“ auf der nächsten Gesellschafterversammlung tatsächlich stattfindet, da sind die Hauptakteure noch unsicher. Zumal sich die Fondsgeschäftsführung bisher weigert, den Tagesordnungspunkt „Ablösung und Neuwahl geschäftsführender Kommanditisten“ auf die Tagesordnung zu setzen. Zudem werde versucht, so Gieschen, die Versammlung erneut zu verschieben, um zunächst das Abfindungsangebot unter die Leute zu bringen.

Der Rechtskrieg tobt. Einige Anwälte erwägen sogar, Strafanzeige gegen die Fondsgeschäftsführung zu stellen. „Denn es geht nicht nur um den Vorwurf eines falschen Managements“, sagt Gieschen noch etwas vage. „Es wurde Geld verschleudert.“ Zulasten der Anleger und Riesenräder. Ulrich Zawatka-Gerlach

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