Berlin : Er kann auch anders

Im neuen Spider-Man-Film darf Hauptdarsteller Tobey Maguire endlich mal böse sein. Gestern feierte er die Premiere in Berlin

Lars von Törne
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Vernetzt.. Drei Filme lang war Tobey Maguire Spider-Man.Foto: dpa

Manchmal ist es einfach befreiend, die Sau rauszulassen. Vor allem, wenn man sonst immer den braven Jungen geben muss, der allen hilft und nie an sich denkt. „Als ich das Drehbuch las, war ich begeistert von der neuen Richtung“, sagt Tobey Maguire und lächelt müde. Ein wenig erschöpft wirkt er, wie er blass und mit Dreitagebart in einer Suite des Hotels Ritz-Carlton sitzt – der Werbemarathon, der den Hollywood-Star über Japan und Italien gestern nach Berlin führte, fordert seinen Tribut. Aber wenn Maguire von dem neuen Film redet, kommt wieder Leben in den 31-Jährigen. „Es hat großen Spaß gemacht, die dunklen, tiefen Seiten stärker zu betonen“, schwärmt er.

Nach zwei Spider-Man-Filmen, in denen Maguire das Alter Ego des Superhelden, Peter Parker, als liebenswerten Verlierer spielte, kann der Schauspieler mit dem unschuldigen Jungengesicht jetzt endlich mal anderes ausleben: Rachsucht, Arroganz, Überheblichkeit. Am Mittwochabend feierte das Team um Maguire im Sony-Center die Deutschlandpremiere von „Spider-Man 3“, ab nächsten Dienstag läuft der Film im Kino.

Dunkler, härter, schneller, aber auch selbstironischer ist die Fortsetzung der Geschichte um den mit Superkräften ausgestatteten Spinnenmann. Es fängt damit an, dass der Hauptfigur ihr Erfolg zu Kopf steigt. Als eine mysteriöse schwarze Substanz aus dem All von Parker Besitz ergreift, wird aus dem freundlichen Helfer von nebenan ein Ekel. Er tauscht den rot-blauen Anzug gegen schwarzes Latex, den Seitenscheitel gegen einen Wuschelschnitt, und um die Augen trägt er Kajal. Er stößt Freunde und Verehrer vor den Kopf, entwickelt gar Mordgelüste, und erst nach einer zweistündigen Selbstfindung voll adrenalintreibender Actionszenen bezwingt er seine persönlichen Dämonen.

„Unglaublich aufregend war das“, erzählt Maguire über die Verwandlung. Zumal er diese Seiten auch privat kennt. „So arrogant und anmaßend war ich als Jugendlicher ebenfalls“, sagt er und lacht. Das war jedoch, bevor er mit Anfang 20 als Schauspieler entdeckt wurde. „Da war ich dann gefestigt genug, um trotz des Ruhms und der Versuchungen meine Bescheidenheit nicht zu verlieren.“ Wie er still an seinem Wasser nippt und nachdenklich den Gesprächspartner mustert, mag man ihm das wirklich glauben.

Privat macht Tobey Maguire derweil einen ganz anderen Rollenwechsel durch, wie er erzählt. Vor einem halben Jahr wurden er und seine Verlobte Jennifer Eltern einer Tochter, die sie Ruby nannten. „Die Leute sagen, es übersteigt deine Vorstellungskraft – und sie haben recht“, sagt Maguire über die Vaterrolle. „Die Gefühle sind überwältigend und anders als alles, was ich je erlebt habe.“

Sechs Jahre lang hat der einst von seiner Mutter zum Schauspiel animierte Maguire inzwischen den Spider-Man gegeben, 1,6 Milliarden Dollar spielten seine Abenteuer ein, und auch der neue Film dürfte den Erfolg fortsetzen. Innerlich nimmt Maguire jedoch bereits Abschied von der Rolle des Comic-Helden. „Ich werde langsam älter, und in den nächsten fünf Jahren schaffe ich hoffentlich den Übergang zu mehr erwachsenen Rollen“, sagt er. So spielte er kürzlich einen GI in dem in Berlin angesiedelten Nachkriegsdrama „The Good German“. Der dritte Spider-Man-Film müsse allerdings noch nicht der endgültige Abschied sein. „Sony lässt derzeit ein Drehbuch schreiben – wenn da ein guter Film herauskommt, dann bin ich bereit, ihn mit dem richtigen Team zu machen.“

Von dem Team des aktuellen Films war für die Premiere gestern Abend gleich eine halbe Fußballmannschaft angereist. So waren auch Thomas Haden Church (der den Bösewicht Sandman spielt), Topher Grace (Venom) und Rosemary Harris (Tante May) gekommen, dazu die Produzenten Avi Arad und Grant Curtis. Bei der Premiere samt Party am späten Abend in der Treptower Arena wurden außerdem zahlreiche Berliner Prominente erwartet, von Oskar-Preisträger Florian Henckel von Donnersmarck bis zu Klaus Wowereit.

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