Erfolgreiche Proteste : Ahornbäume am Gendarmenmarkt sollen bleiben

Die Ahornbäume am Gendarmenmarkt dürfen dank der Proteste bleiben. Der Bezirk lenkte ein. Doch Mittes Baustadtrat sieht die Bäume dennoch gefährdet.

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Rigorose Umgestaltung oder behutsame Instandsetzung - diese Frage beschäftigte Berlin in den vergangenen Wochen.Alle Bilder anzeigen
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05.08.2010 19:42Rigorose Umgestaltung oder behutsame Instandsetzung - diese Frage beschäftigte Berlin in den vergangenen Wochen.

Die Ahornbäume auf dem Gendarmenmarkt sind doch noch davongekommen, aber die Verwaltung sieht sich einmal mehr mit dem Vorwurf völliger Ignoranz konfrontiert. Am Montag kündigte Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) an, die Umgestaltung des berühmten Platzes angesichts der massiven Proteste von Bürgern, Anliegern und Gewerbetreibenden gegen die Abholzung neu planen und diskutieren zu lassen. Zum weiteren Gedeihen der etwa 130 Ahornbäume wollte der Verwaltungschef allerdings keinen Optimismus verbreiten: Da sie in unterirdischen Betonkübeln stünden, könnten sie kaum mehr wachsen, erklärte Gothe.

„Warum kann dieser Mann ungestraft solchen Schwachsinn erzählen?“, fragt Manfred Prasser durchs Telefon, als er nach den Kübeln gefragt wird. Der 78- Jährige hat die Neugestaltung des Platzes in den achtziger Jahren geleitet und dürfte deshalb wissen, was sich unter den Kleinpflasterplatten des Gendarmenmarktes verbirgt. Zum Beispiel eine raffinierte Drainage durch die Fugen zwischen den Platten, die den Platz auch ohne Gefälle pfützenfrei halten. Laut Gothe dagegen ist das Erdreich „zu 100 Prozent tot, da ist kein Regenwurm unterwegs“. Architekt Prasser sagt, er würde den Verwaltungsleuten gern die gebotene Nachhilfe geben, „aber die schweigen mich tot“.

Während Senatsbaudirektorin und Abholzungsfreundin Regula Lüscher noch im Urlaub weilte, sammelte ein Förderverein weiter Unterschriften gegen die radikalen Umgestaltungspläne. Mehr als 12 000 teils prominente Berliner und auch Touristen haben schon unterschrieben; auf 30 000 hoffen die Initiatoren bis zum 29. August. An jenem Tag will Lüscher in der Französischen Friedrichstadtkirche über die „Schönheit der Stadt“ sprechen.

Für ein anderes Vorhaben kann das Bezirksamt Mitte mit deutlich mehr Sympathie rechnen. Nachdem die Wirtschaftsverwaltung verbindlich 5,2 Millionen Euro aus ihrem Tourismus-Förderetat zugesagt habe, kann nach Auskunft von Gothe nun der Bereich um den Fernsehturm aufgehübscht werden. Dabei folge man dem Konzept aus den achtziger Jahren und setze die markanten Zacken des Fernsehturmfußes bei der Platzgestaltung fort. Geplant sind neue Leuchten, Sitzgelegenheiten und Grünflächen um den Kaskadenbrunnen hinter der Marienkirche sowie ein „hochwertiger Bodenbelag“. Der soll dank einer Teflon-Beschichtung auch leichter von Kaugummiresten zu befreien sein. „Die Lehre aus dem Alex“ nennt Gothe diese Entscheidung. Schon seit Monaten liegen mehrere Testflächen mit beschichteten Steinen zwischen Tramhaltestelle und Fernsehturm. Der Belag sei „nicht wesentlich teurer als normaler Kunststein“.

Der von schwarz gewordenem Kaugummidreck übersäte Alex soll noch in diesem Monat an zwei Stellen nachbearbeitet werden: Eine Fläche wird laut Gothe abgeschliffen und nachträglich beschichtet. Eine weitere soll ebenfalls glattgeschliffen und dadurch auch ohne Nachbearbeitung besser zu reinigen sein.

Für den Bezirk Mitte stellte Gothe am Montag sechs neue Grünflächen in Aussicht. Dazu gehören neben der Erweiterung von Mauerpark und dem Umfeld der Mauergedenkstätte Bernauer Straße auch ein Grünzug an der Lehrter Straße, der „Pankegrünzug“ hinter dem Neubau des Bundesnachrichtendienstes sowie der Neustädtische Kirchplatz vor der früheren US-Botschaft.

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