Erlebnis Meck-Pomm : Strandbesucher mit Fell und Flossen

Erlebnis Meck-Pomm: Immer mehr Robben tauchen in der Ostsee auf. Das ist eine der vielen Attraktionen für Urlauber.

Claus-Dieter Steyer
Warnemünde Foto: ddp
Strand von Warnemünde. -Foto: ddp

RostockIm Handumdrehen hat sich die kleine Sensation herumgesprochen: „Eine Robbe liegt am Strand“. Und obwohl sich blitzschnell eine Schar Neugieriger am Strand von Markgrafenheide versammelt, lässt sich das Tier nicht aus der Ruhe bringen. Es hebt seinen Kopf, sperrt die Augen weit auf und schnuppert im Sand. Erst als ihr einige Neugierige zu nahe kommen wollen, stößt die Robbe ein abwehrendes Zischen aus.

In Markgrafenheide geht es deutlich ruhiger zu als im benachbarten Warnemünde. Hier kauften sich die Rostocker schon im Jahre 1323 „ein kleines Paradies“, wie es in den Chroniken heißt. Längst hat sich das kleine Fischerdorf zum mondänen Seebad mit feinem Sandstrand und vielen Hotels entwickelt. Am Alten Strom zwischen S-Bahnhof und dem 100-jährigen Leuchtturm am Fuße der Westmole verkaufen die Fischer ihren Fang gleich von den Booten aus.

Während hier kleine Fischer- und Kapitänshäuser das Bild bestimmen, prägen das eine knappe halbe Autostunde entfernte Rostock machtvolle Kirchen und prächtige Giebelhäuser. Es ist zwar die größte Stadt Mecklenburg-Vorpommerns, aber meistens geht es auf den Straßen und Plätzen beschaulich zu. Eine Robbe würde wohl ein ruhiges Plätzchen finden, zumal die Warnow große Teile der Stadt durchfließt. Doch von der Mündung des Flusses in Warnemünde hat sich bislang noch kein Meeressäugetier nach Rostock vorgewagt – ganz im Unterschied zur Halbinsel Fischland-Darß-Zingst. Erst am vergangenen Sonntag lag eine Robbe seelenruhig im Schilf des Boddengewässers unweit des Hafens vor Wustrow. „Und seit Anfang des Jahres besuchen zwei Kegelrobben regelmäßig den Strand im benachbarten Ahrenshoop“, sagt dessen Bürgermeister Hans Götze.

Naturschützer verzeichnen in letzter Zeit steigende Robbenbestände an der Ostsee, nachdem die Tiere durch Jagd und Wasserverschmutzung fast schon als ausgerottet galten. Auf rund 20 000 Exemplare schätzt das Meeresmuseum in Stralsund die Zahl der Kegelrobben in der südlichen Ostsee. Auch in Prora und Göhren auf Rügen, auf der Insel Vilm und im Greifswalder Bodden zeigen sich die Tiere mittlerweile.

In einigen Wochen werden Urlauber nicht mehr auf zufällige Entdeckungen hoffen müssen. In Warnemünde und damit fast in Sichtweite des natürlichen Ruheplatzes vor Markgrafenheide entsteht bis Mitte Juli eine weltweit einzigartige Forschungsstation. Neun Seehunde aus dem Zoo in Köln beziehen im Hafen ein neues Quartier. „Das Publikum laden wir ausdrücklich ein, uns bei der Arbeit zu beobachten“, sagt Guido Dehnhardt von der Universität Rostock. „Dafür wird eigens das Sonnendeck eines zum Forschungslabor umgebauten Fahrgastschiffes reserviert.“

Das 15-köpfige Wissenschaftlerteam will dem Publikum die eigenen Experimente nahe bringen. „Wir wissen beispielsweise noch nicht, wie sich Robben unter Wasser orientieren“, sagt Dehnhardt. „Wir vermuten ein ganzes Bündel von Sinnessystemen.“ Offenbar steckten die Barthaare voller Sensoren, um die täglich langen Strecken zwischen den Nahrungs-, Fortpflanzungs- und Ruheplätzen im getrübten oder völlig dunklen Meer punktgenau zurückzulegen.

Ein Teil des benötigten Forschungsgeldes soll über die verkauften Eintrittskarten erwirtschaftet werden. Nebenbei lernen die Besucher die Robben – und ihre Eigenarten – näher kennen. „Robben sind Raubtiere“, sagt Dehnhardt. „Kommt jemand gar zu nahe, können sie auch schon mal zubeißen.“

Weitere Informationen im Internet: www.rostock.de;  www.marine-science-center.de

Folge 6: RUND UM ROSTOCK
 
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