Ermordete Revolutionärin : Liegt Rosa Luxemburgs Leiche in der Charité?

Die Rechtsmedizin der Charité hat eine Wasserleiche in ihrem Fundus, die der ermordeten Arbeiterführerin "verblüffend ähnlich" sieht. Seit 1919 wird Rosa Luxemburg auf dem Sozialistenfriedhof in Friedrichsfelde gedacht.

Sandra Dassler
279034_0_0dab3874.jpg
Rosa Luxemburg. Die Revolutionsführerin wurde am 15. Januar 1919 von Soldaten des preußisch-deutschen Heeres ermordet. -Foto: dpa

Berlin Sie lag 90 Jahre lang als Anschauungsobjekt für Studenten und Ärzte in der Charité – die unbekannte weibliche Wasserleiche ohne Kopf und ohne Hände. Jetzt schockierte der Chef der Rechtsmedizin, Michael Tsokos, die Öffentlichkeit mit der Vermutung, dass es sich bei der mumifizierten Leiche um Rosa Luxemburg handeln könne.

Dem Tagesspiegel sagte Tsokos: "In der Charitè gab es immer das Gerücht, dass die Leiche Luxemburgs die Charité nie verlassen habe. Die Untersuchungen im Computertomographen haben ergeben, dass unsere Leiche viele Übereinstimmungen mit der Anatomie von Rosa Luxemburg aufweist. So war sie zwischen 40 und 50 Jahre alt und hatte unterschiedlich lange Beine. Die Arbeiterführerin war 47, als sie ermordet wurde und hatte wegen einer angeborenen Hüftverrenkung unterschiedlich lange Beine und einen etwas watschelnden Gang."

Täter warfen die Leiche in den Landwehrkanal

Tsokos schließt allerding nicht aus, dass es sich bei der Leiche um eine andere Frau gehandelt hat: „Sicher ist aber, dass die Frau, die als Rosa Luxemburg beerdigt wurde, nicht Rosa Luxemburg war“, sagte er dem Tagesspiegel.

Die Sprecherin der Linksfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Kathi Seefeld, zeigte sich gestern überrascht von der Nachricht aus der Charité: „Wenn es so ist, müssen wir die körperliche Hülle würdig beerdigen“, sagte sie. Dass im Grab von Luxemburg, zu dem jedes Jahr Tausende Menschen pilgern, nicht die sterbliche Reste der Revolutionsführerin liegen, sei allerdings bekannt gewesen, sagte Thomas Barthel, Sprecher der Linken in Berlin: "Nachdem die Nazis die Gedenkstätte geschändet hatten, war nichts anderes zu erwarten."

Rosa Luxemburg und der Arbeiterführer Karl Liebknecht waren am 15. Januar 1919 von Soldaten der Garde-Kavallerie-Schützen-Division ermordet worden. Die Mitbegründerin der Kommunistischen Partei wurde zunächst niedergeschlagen und dann durch einen Schuss in den Kopf getötet. Anschließend warfen die Täter ihre Leiche in den Landwehrkanal, wo sie am 31. Mai 1919 gefunden wurde. (mit ddp)

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben