• Ernährung als Lifestyle: Essen wie in der Steinzeit - und andere Trends aus der Food-Szene

Ernährung als Lifestyle : Essen wie in der Steinzeit - und andere Trends aus der Food-Szene

Zum zweiten Mal öffnete die Messe Next Organic im Flughafen Tempelhof. Sie ist zwar nicht fürs Publikum offen - aber was dort gezeigt wird, landet früher oder später in Cafés und Restaurants. Ein Rundgang.

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Janine König und Ivan Perez von "Jäger und Sammler". Das Waldbild für die Fototapete haben sie selbst geschossen. In ihren Müsliriegeln ist Fleisch aus Brandenburg.
Janine König und Ivan Perez von "Jäger und Sammler". Das Waldbild für die Fototapete haben sie selbst geschossen. In ihren...Foto: Fatina Keilani

Janine König und Ivan Perez haben zwar nur drei Nussriegel im Angebot, aber die bilden die Trends genau ab. Einer ist vegan, der andere vegetarisch, und der dritte enthält Dörrfleisch und entspricht damit dem Trend „Paleo“, also Steinzeiternährung. Die beiden präsentierten ihr Unternehmen „Jäger und Sammler“ am Wochenende auf der Messe Next Organic im Flughafen Tempelhof. Sie sind blutige Anfänger, es ist ihr erster Auftritt, und einen Vertrieb für ihre Produkte haben sie noch nicht. Auf der Messe sind sie damit genau richtig. Hier darf zwar kein Publikum rein, doch was es hier zu sehen gibt, wird über kurz oder lang in den Restaurants und Cafés dieser Stadt ankommen. Was ist also wichtig?

Erstens: Raw muss es sein, das ist das heutige Wort für Rohkost. Falls etwas erwärmt wird, dann nicht über 46 Grad. Speziell Veganer schwören drauf, und auch die sind weiter auf dem Vormarsch. Verkostungen zum Thema Raw Food hatten auf der Messe riesigen Zulauf, während zum Beispiel Schokoladen-Tastings kaum noch gefragt waren. Der Schoko-Hype scheint vorbei.

Zweitens: Die Cashewnuss ist der neue Heilsbringer der Veganer. Aus fermentierten Cashews wird eine Art Frischkäse gemacht, auch Hartkäse, die Nuss kommt auch in den Tortenboden und in die Nudelsauce.

Drittens: Der Genuss ist größer, wenn Sinnstiftung im Spiel ist, man also nicht nur sich, sondern auch anderen damit Gutes tut. Es wird daher nur Bio verwendet, aus fairem Handel, in kompostierbaren Verpackungen. Alles soll nachhaltig sein. Ob aber die CO2-Bilanz wirklich gut ist, wenn Kleinstmengen durch die Welt transportiert werden und jeder Kleinhändler seine Bauern in Lateinamerika persönlich besucht? Das scheint keinen so richtig zu beschäftigen.

Viertens: Perfekt ist es, wenn zum Genusserlebnis ein gesundheitlicher Nutzen kommt. So gibt es Ayurveda-Schokolade, die sich je nach Zusammensetzung erwärmend, kühlend oder sonstwie auf den Körper auswirkt, oder Power Drinks mit allerhand Grünzeug drin, und auch Algen aus Frankreich sind sehr angesagt. Wer keinen Zugriff auf frische Zutaten hat, bekommt fast alles als Fruchtpulver.

Fünftens: Ohne cooles Grafikdesign und schicke Webseite geht nichts. Es soll ja nicht nach Öko aussehen.

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