Berlin : Eröffnung der Israelischen Botschaft: Zwei Apfelbäume als Symbol der Freundschaft

Alexander Zeller

Es waren eigentlich alle da, die man zu diesem Anlass auch erwartet hätte - und noch viel mehr. Der Park der am Mittwoch offiziell eröffneten israelischen Botschaft in der Grunewalder Auguste-Viktoria-Straße an der Ecke Reinerzstraße quoll fast über vor Gästen und wird wahrscheinlich einige Wochen brauchen, bis er sich von den Besuchermassen - die nur wenig Respekt für das junge Grün zeigten - wieder erholt hat.

Um dem Hausherren Shimon Stein gemeinsam mit dem israelischen und dem deutschen Außenminister Shimon Peres und Joschka Fischer bei der Eröffnung beizuwohnen, hatte sich Prominenz aus allen gesellschaftlichen Feldern angesagt. Altkanzler Helmut Kohl war ebenso gekommen wie der CDU-Fraktionsvorsitzende Friedrich Merz, Iris Berben ließ es sich nicht nehmen, sich von Peres ein Autogramm geben zu lassen.

Anderswo sah man gut gelaunt den Publizisten Henryk M. Broder im Gespräch mit Joachim Gauck. Und neben dem ehemaligen Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Andreas Nachama, und seinem jüngst gewählten Nachfolger Alexander Brenner waren aus dem jüdischen Leben Berlins viele erschienen, die in der Stadt und darüber hinaus eine Rolle spielen. Das Gedränge war unglaublich. Nervöse Bodyguards versuchten vielfach vergeblich, für ihre "Schützlinge" eine Gasse zu schaffen. Die mehr als tausend Gäste erreichten die Botschaft auf abgesperrtem Gebiet. Die Berliner Polizei hatte strengste Sicherheitsvorkehrungen angeordnet, so dass die Straßen schon weit um das Grundstück herum für den Verkehr gesperrt waren und jeder, der passieren wollte, seine Einladung samt Ausweis an mehreren Stellen präsentieren musste. Auf dem Dach der Botschaft waren mit Gesichtsmasken vermummte Scharfschützen zu sehen, die Maschinengewehre präsentieren und mit Ferngläsern die Menge observierten.

Die Gäste ließen sich jedoch vom Feiern nicht abhalten und bestaunten die prächtig hergerichtete Residenz des Botschafters, in dessen offener Eingangshalle Stein mit seiner Frau Carmela den in einer nicht enden wollende Schlange ankommender Gästen die Hand schüttelte. Das Gebäude war 1929/1930 von dem jüdischen Kommerzienrat Herrmann Schöndorff - einem Vorstandsmitglied der Rudolf Karstadt AG - gebaut worden, das er nur vier Jahre später auf der Flucht vor den Nazis verlassen musste.

Botschafter Shimon Stein nahm die Geschichte des Hauses in seiner Rede auf, um die besondere Bedeutung einer israelischen Botschaft zu illustrieren. Berlin sei eben nicht nur die Stadt der Nazis, sondern auch die Stadt Schöndorffs gewesen, der an die deutsch-jüdische Symbiose geglaubt hätte. Und 64 Jahre, nachdem er die Stadt verlassen musste, hatte der Staat Israel im Jahr 1998 das Gebäude erworben und nunmehr bezogen. Damit schließe sich nicht nur ein Kreis, sagte Stein, sondern diese Ereignis markiere auch einen neuen Beginn in den deutsch-israelischen Beziehungen.

An der Schmalseite des neuen Dienstgebäudes warteten zwei blühende Apfelbäumchen darauf, eingepflanzt zu werden. Sie sollen Symbole der Freundschaft zwischen den beiden Völkern werden. Die Pflanzlöcher waren schon ausgehoben, Gießkannen standen bereit, selbst an Gartenhandschuhe hatte man gedacht. Erst schaufelte Peres fleißig, dann beendete Fischer die Arbeit. Der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen schaute zu. Zum Schluss wurden die beiden Bäumchen angegossen.

Fischer beendete seine Rede mit dem hebräischen Friedenswunsch "Schalom" und auch Diepgen äußerte in seiner Ansprache die Hoffnung auf ein Ende der Gewalt im Nahen Osten. Denn wenn es am Mittwoch in Berlin sonnig war - daran hatte Peres zu Beginn seiner Rede erinnert - nach dem grausamen Mord an zwei jugendlichen Siedlern und der Verwundung eines Babys im Nahen Osten lag ein dunkler Schatten über den Abend.

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