Berlin : Erosionspolitik

Werner van Bebber

sieht große Möglichkeiten für Steglitz Der Steglitzer Kreisel fällt langsam auseinander. Aus dem siebten Stock stürzten gestern Fensterteile. Es ist, als wolle das skandalumwitterte Gebäude selbst den Weg zur Lösung aller Probleme weisen, die es heute noch macht. Leute, die im Kreisel arbeiten, fürchten die Asbestbelastung des Hochhauses. Die Politik weiß nicht, ob man den Kreisel für zig Millionen sanieren oder abreißen sollte. Und der Kreisel öffnet sich der Erosion.

Wenn eisig kalte Winterwinde durch die Fensterhöhlen erst einmal den Weg in den rottenden Bau gefunden haben, können die Steglitzer Politiker in Entscheidungsschwäche verharren, das Gelände um den Kreisel sperren lassen und zusehen, wie Wasser, Kälte und Sturm ans Werk gehen. Eine moralische Begründung solchen Nichthandelns liegt vor: Das Ding ist eine Schande und ein finanzielles Problem – und nicht das einzige öffentliche Gebäude, das vor sich hinmodert, weil das Geld zum Abriss fehlt. Es wäre eine Politik des Verrottenlassens, die Steglitz beispielhaft entwickeln könnte. Erst wenn Fenster aus dem Roten Rathaus fallen, würden wir erschrecken.

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