Berlin : Erst die Dealer, nun die Demonstranten

Wie eine Cafébetreiberin gegen Drogenhändler vorging und sich den Vorwurf des Rassismus einhandelte

Tanja Buntrock

Die Drogendealer hat Claudia Humeniuk aus ihrem Café „An einem Sonntag im August“ vertrieben. Doch ihre neuen Probleme sind vielleicht noch nervenzehrender: Die Geschäftsfrau, die mit einer Partnerin das Café in der Kastanienallee in Prenzlauer Berg betreibt, soll Rassistin sein. Dies behaupten Mitglieder des Aktionsbündnisses „Nie wieder Sonntag“. Am heutigen Sonntag plant das Bündnis eine Demonstration neben dem Café.

Am 12. April wurde es Claudia Humeniuk zu viel. Sie beobachtete im hinteren Teil ihres Lokals drei Schwarze und einen Weißen - offenbar hätten die Schwarzen dem Weißen Drogen verkauft. „Ich habe alle vier rausgeschmissen und ein Hausverbot ausgesprochen.“ Schon länger habe sie beobachtet, dass bei ihr mit Drogen gehandelt wird. „Ich habe mich auch mit der Polizei beraten.“ Und beim Ordnungsamt habe man ihr gesagt, dass der Entzug der Konzession drohe, wenn sie das Problem nicht in den Griff bekomme.

Die Polizei hat Zivilbeamte vorbeigeschickt. Der Leiter des zuständigen Abschnitts 15, Thomas Böttcher, bestätigt, dass es rund um die Kastanienallee ein Problem mit „schwarzen, aber auch arabischen und deutschen Drogendealern“ gibt. Seit es an den gängigen Umschlagplätzen am Mauerpark und am Volkspark am Weinbergsweg vermehrt Kontrollen gab, seien die Dealer verdrängt worden. Sie hätten die Kastanienallee und deren Lokale als Handelsort gewählt.

Um die Drogenhändler loszuwerden, hat Claudia Humeniuk im April eine Dienstanweisung für ihre Mitarbeiter geschrieben. Darin steht, dass Dealern Hausverbot erteilt werden soll. „Wenn Ihr Euch unsicher seid, wer zum Personenkreis gehört: Dealergang aus dem Mauerpark; schwarze Jugendliche höchstens 25 Jahre alt; betreten allein oder in Gruppen den Laden, gehen sehr oft rein und raus (...), bzw. zu zweit auf das WC; wollen immer hinten sitzen (...); kommen meist zwischen 14 Uhr und abends“. Ausgenommen seien „schwarze Studenten mit klugen Augen; schwarze Touristen; ältere, schwarze Menschen, Schwarze mit Freundin, etc.“. Seitdem macht das Bündnis gegen das Lokal mobil. „Für uns ist das eine pauschale Vorverurteilung“, sagt Sprecher Roman Schneider. Claudia Humeniuk gibt zu, dass die Formulierung „nicht richtig war“. Die Dienstanweisung hat sie bereits im April wieder von der Pinnwand genommen und sich in einem Flugblatt, das am Eingang hängt, entschuldigt. Sie schreibt dort, dass es ihr nicht darum gehe, alle „farbigen Gäste mit der Dealergang in einen Topf zu werfen“, „es sind uns alle farbigen Gäste von ganzem Herzen willkommen“. Sie wolle lediglich keine Drogendealer in ihrem Laden. „Zu uns kommen auch weiterhin schwarze Gäste. Die Drogendealer habe ich nicht mehr gesehen.“ Dem Aktionsbündnis reicht dies nicht. Ein Gespräch mit Humeniuk lehnt Schneider ab.

Heute findet um 18 Uhr im Café „An einem Sonntag im August“ (Kastanienallee, Ecke Schönhauser Allee) eine Diskussion über „Rassismus und Alltag“ statt, u.a. mit Cem Özdemir (Grüne) und Anetta Kahane (Antonio-Amadeu-Stiftung).

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