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Erst #IC2203, jetzt #Frisia : Fähre mit 650 Menschen setzt Fahrt nach 13 Stunden fort

Lost in Ostfriesland, Teil 2: Erst gab es Probleme mit dem Eisregen, der die Bahnstrecke lahmlegte. Jetzt warten 650 Reisende auf einem Schiff auf Hochwasser.

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Eis an Deck. Dieser Hund muss mal. Geht leider seit den frühen Morgenstunden nur an Deck.
Eis an Deck. Dieser Hund muss mal. Geht leider seit den frühen Morgenstunden nur an Deck.Foto: dpa

Irgendwie haben sie kein Glück in diesen Tagen an der schroffen Nordsee. Nachdem die Bahn-Odyssee des #IC2203 deutschlandweite Aufmerksamkeit erlangt hat, waren nun die Fahrgäste der Reederei betroffen. Wie der Norddeutsche Rundfunk (NDR) berichtet, war eine Fähre bei der Überfahrt von der Nordseeinsel Juist nach Norddeich im Watt stecken geblieben. In Norddeich begann die Fahrt des Berliner CDU-Politikers Thorsten Schatz, der 26 Stunden für seine Heimfahrt nach Berlin benötigte ("Ich werd' irre!").

Die AG Reederei Norden-Frisia war am Dienstag um 6.45 Uhr außerplanmäßig mit fünf Schiffen von Juist abgefahren, um Urlaubsgäste aufs Festland zu bringen. „Vier Schiffe haben es mehr oder weniger problemlos geschafft, die Frisia II ist im Schlick aufgelaufen“, sagte der Fahrdienstleiter der Reederei, Ralf Ackermann. An Bord des 63,5 Meter langen Schiffes sind 650 Passagiere und rund ein Dutzend Besatzungsmitglieder. Sie mussten auf das nächste Hochwasser warten - das um 19.37 Uhr kam. Danach konnte die Fähre ihre Fahrt fortsetzen, teilte die Reederei Norden-Frisia am Dienstagabend mit.

Das stundenlange Warten wurde für viele an Bord lang. „Wir werden zwar verpflegt. Aber nach drei Stunden wurde auch das Wasser knapp. Es gab belegte Brötchen und Suppe“, berichtete Kathrin Lührs telefonisch der dpa von Bord der „Frisia II“.

Die 26-Jährige wollte von ihrem Juist-Urlaub zurück aufs Festland. An Bord seien nur wenige Insulaner, die meisten Passagiere seien Urlauber. Auch viele Schwangere seien auf dem Schiff. „Das Service-Personal tut sein Bestes. Die können ja auch nichts dafür“, sagte Lührs. 

Der NDR zitiert einen Sprecher so: "Das ist uns in 28 Jahren noch nicht passiert, dass so viele Passagiere transportiert werden mussten", so ein Sprecher der Reederei. Die ersten vier Fähren sind mit Hunderten von Gästen an Bord sind dann auch sicher in Norddeich angekommen. Die Passagiere auf der "Frisia II" müssen noch etwas länger ausharren. Für sie bestehe aber keine Gefahr. "Sie sitzen im Warmen und Trockenen und genug zu essen gibt es auch."

Möööp, möööp! Das Schiff steckt fest, deshalb: Ja, das ist ein Archivbild
Möööp, möööp! Das Schiff steckt fest, deshalb: Ja, das ist ein ArchivbildFoto: dpa

Und doch gibt es ein Problem am Festland: Die Oberleitungen an den Gleisen frieren auch heute immer wieder ein. Deshalb hat die Bahn seit 9.30 Uhr den Betrieb zwischen Emden und Norddeich eingestellt. Wie lange? Unklar. Bei der Bahn hieß es am Mittag: "Wegen vereister Oberleitungen ist der Zugverkehr zwischen Emden und Norddeich eingestellt, hier pendeln jetzt Busse. Die IC-Linie 56 verkehrt nicht zwischen Oldenburg und Norddeich."

Nicht nur der Weg von Juist ans Festland ist derzeit nur mit Glück zu bewältigen. Auch umgekehrt ist es schwierig. Einige Inselbewohner sind am Festland gestrandet. „Wir sind seit Sonntag hier. Die Flüge nach Juist sind komplett gestrichen. Wir warten nun auf Tauwetter“, sagte Gisela Reuter (58), die auf Juist als Verwaltungsangestellte arbeitet. Sie und ihr Lebensgefährte Ulrich Paul (65) hatten dabei noch Glück und bekamen ein Zimmer im Hotel Reichshof in Norden.

Das Hotel ist fast ausgebucht, auch durch viele Juist-Rückkehrer, die noch auf ihr Gepäck warteten, das auf der „Frisia II“ verstaut ist. Die Inselflieger, die bei normalen Wetterbedingungen fast stündlich den Fünf-Minuten-Flug von Norddeich nach Juist absolvieren, warteten auf Wetterbesserung. „Derzeit geht nichts. Die Start- und Landebahn ist völlig vereist“, hieß es bei den Inselfliegern. Wärmer werden sollte es erst am Donnerstag oder Freitag.

An der Nordseeküste herrschte am Dienstag kräftigerer Ostwind. Das drückt das Wasser von der Küste weg und kann zu niedrigeren Pegelständen als üblich führen. (mit AFP/dpa)

Ein Foto von der Fähre: Das Tochterschiff eines Seenotrettungskreuzers liegt am 05.01.2016 nahe der Nordseeinsel Juist (Niedersachsen) längseits der festgefahrenen Fähre MS Frisia II.
Ein Foto von der Fähre: Das Tochterschiff eines Seenotrettungskreuzers liegt am 05.01.2016 nahe der Nordseeinsel Juist...Foto: dpa

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