Berlin : Erste Kosovo-Flüchtlinge werden morgen in Berlin erwartet

ALEXANDER PAJEVIC

BERLIN .Mit der Ankunft der Kriegsflüchtlinge aus dem Kosovo ist nach Angaben der Innenverwaltung frühestens am Sonnabend zu rechnen.Wie berichtet, hatte sich die Bundesregierung mit den Bundesländern darauf verständigt, insgesamt 10 000 Flüchtlinge aus der Krisenregion aufzunehmen und sie nach dem Asylbewerberschlüssel zu verteilen.Berlin muß danach 220 Flüchtlinge aufnehmen.

Für den Transport kommt die Bundesregierung auf; die Aufnahmekosten werden im laufenden Jahr je zur Hälfte von Bund und Ländern getragen.Die täglich ankommenden Flüchtlinge werden vom Bundesamt sofort in die verschiedenen Bundesländer weitergeleitet; bislang jedoch noch nicht nach Berlin.Erst am heutigen Freitag werde entschieden, ob einige der 1100 für den Sonnabend erwarteten Flüchtlinge in die Stadt kommen werden, sagte Isabelle Kalbitzer, Sprecherin der Innenverwaltung.

Nach einem Vorschlag der Ausländerbeauftragten des Senats, Barbara John, sollen die Flüchtlinge nur auf einige wenige Heime verteilt werden."Es ist ganz wichtig, daß sie untereinander in Kontakt bleiben können", sagte John."Was der eine nicht weiß von den Angehörigen, hat vielleicht der andere gehört." Die Flüchtlinge sollten möglichst bald Kontakte zu albanischen Vereinen in Berlin bekommen, um ihr soziales Leben aufrechterhalten zu können; auch sollten die Kinder umgehend Unterricht in albanischer Sprache bekommen.

In der Sozialverwaltung wartete man am Donnerstag noch auf den Bescheid aus der Innenverwaltung über die Ankunft der Flüchtlinge.Sobald die Flüchtlinge in die Stadt kämen, würden sie in Heime der vom Landesamt für Zentrale Soziale Aufgaben beauftragten Firma Somag verteilt, sagte Sprecher Christoph Abele.Der private Betreiber Somag hat in drei Heimen in der Gehrenseestraße in Hohenschönhausen, im Kornmandelweg in Marzahn und in der Tollensestraße in Hellersdorf die 220 Plätze zur Verfügung gestellt.Teilweise sind laut Abele auch schon andere Flüchtlinge in den Heimen untergebracht.Die Forderung von drei CDU-Kreisvorsitzenden, keine Kosovo-Flüchtlinge in Mitte, Tiergarten und Wedding unterzubringen hat nach Angaben von Sprecher Abele bei der Verteilung keine Rolle gespielt.

Mehr als das abgesprochene Kontingent an Flüchtlingen werden nicht legal nach Deutschland und damit nach Berlin kommen können.Sollten hier lebende Albaner versuchen, selbst ihre Angehörigen zu holen, so würde ihnen an der Grenze das Visum verweigert, so Isabelle Kalbitzer.Eine Verpflichtungserklärung, wonach die Gastgeber sich bereiterklärten, für alle anfallenden Kosten aufzukommen, sei nach einem Beschluß der Innenministerkonferenz vom Beginn der Woche nicht möglich.

Barbara John wies jedoch Vorwürfe zurück, daß die Zahl von 220 Flüchtlingen zu gering sei.Dies seien ja nicht alle Personen, die Berlin aus dem Krisengebiet aufgenommen habe, sagte sie.Es seien bereits 12 500 Flüchtlinge aus Restjugoslawien in der Stadt; sie schätze, daß darunter mindestens 8000 aus dem Kosovo seien."Das sind ja schon sehr hohe Zahlen."

Drei CDU-Kreise wollen keine Vertriebenen aufnehmen

Mehrere Berliner CDU-Kreisverbände haben sich gegen die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen aus dem Kosovo in die sozialbelasteten Innenstadtbezirke ausgesprochen."Die bisher in Berlin ausgeübte Praxis, Bürgerkriegsflüchtlinge und Asylbewerber gleichmäßig über alle Bezirke zu verteilen, hat die Probleme in belasteten Ortsteilen verschärft", heißt es in einer Mitteilung der CDU-Fraktionsvorsitzenden aus Mitte, Tiergarten und Wedding.Es handele sich bei den Flüchtlingen fast ausnahmslos um Menschen, die nicht mit der deutschen Sprache oder den hiesigen Lebensverhältnissen vertraut seien.

Die Kreisverbände fordern deshalb, den im Januar vom Abgeordnetenhaus beschlossenen Antrag über Maßnahmen zur Verbesserung der Integration von Ausländern in Berlin umzusetzen, der vorsehe, generell keine Asylbewerber und Bürgerkriegsflüchtlinge in Ortsteilen mit schwacher Sozialstruktur unterzubringen.

"Die Anziehungskraft der Metropole Berlin ist auf diese Menschen sehr groß, wie wir seit dem Bosnien-Krieg wissen", schreiben die Fraktionsvorsitzenden weiter.Die meisten der Flüchtlinge aus diesem Krieg lebten noch heute in den Innenstadtbezirken; sollten jetzt noch die Kosovo-Flüchtlinge dort untergebracht werden, drohe die Sozialstruktur, "endgültig ins Negative" zu kippen. apa

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