Erste Preisverleihung : Feuerwehr ehrt sechs „Engel der Großstadt“

Mit einem Miniaturfeuerwehrhelm auf einem Marmorsockel hat die Berliner Feuerwehr zum ersten Mal sechs mutige Berliner ausgezeichnet. Die "Engel der Großstadt" retteten anderen Bürgern in Not durch ihren beherzten Einsatz das Leben.

Josef Manola

Es sind Geschichten wie die von Sven Leipold: Am 3. Juni sah der 32-jährige IT-Berater am U-Bahnhof Wilmersdorfer Straße in Charlottenburg, wie eine 79-jährige Frau zusammenbrach. Leipold alarmierte sofort den Rettungsdienst und leistete sodann gemeinsam mit einem anderen Passanten Erste Hilfe. Für ihn eine Selbstverständlichkeit, für andere anscheinend nicht: „Es gibt viele, die da nur geguckt haben.“ Dabei glaubt Leipold nicht, dass alle, die an der belebten Kreuzung passiv blieben, zynische Gaffer sind: „Viele wissen einfach nicht, wie sie die Situation anpacken sollen.“

Genau an die richtet sich das Signal, das von dem Preis „Engel der Großstadt“ ausgehen soll. Am Montagabend wurde er von der Feuerwehr erstmals verliehen. „Wir haben in Berlin kein übertriebenes Gafferproblem, aber die Menschen haben Angst, etwas falsch zu machen“, sagte Feuerwehrsprecher Jens-Peter Wilke. „Dabei ist es das Falscheste, nichts zu machen, wenn ein Mensch in Lebensgefahr schwebt.“ Die sechs Geehrten, die die Feuerwehr teils bei eigenen Einsätzen kennenlernte, teils von der Polizei empfohlen bekam, sollen als Vorbilder dafür dienen, wie beherztes Eingreifen Leben retten kann. „Natürlich sollen sich die Leute dabei nicht selbst in Gefahr bringen“, sagte Wilke. Vielmehr gehe es um das, was jeder über das Absetzen eines Notrufs hinaus leisten könne.

Der Fall des ebenfalls geehrten Jürgen Wegner sei daher eher die Ausnahme: Bei einem Brand in der Immanuelkirchstraße in Prenzlauer Berg war Wegner an der Regenrinne in den ersten Stock geklettert und hatte damit einem gehbehinderten 64-Jährigen das Leben gerettet. „Dass Leute in ein brennendes Haus reingehen, dazu kann man nicht aufrufen, aber es verdient unseren Respekt“, sagte Wilke.

Geehrt wurden die „Engel“ symbolisch, mit einem Miniaturfeuerwehrhelm auf einem Marmorsockel, einer Urkunde des Landesbranddirektors – und einem Rauchmelder, „damit die Retter nicht selbst zu Opfern werden", erläuterte Wilke schmunzelnd. Retter Sven Leipold findet die Ehrung eine „schöne Anerkennung“, auf die es aber eigentlich nicht ankomme. Viel entscheidender findet er, dass er aus der Situation selbst etwas gelernt hat: „Direkt danach habe ich zu mir selbst gesagt: ,Du musst unbedingt eine Auffrischung deines Erste-Hilfe-Kurses machen.’“ Aber seit nun schon einem halben Jahr ist er nicht dazu gekommen ist. Er sei im Beruf einfach zu eingespannt.

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