Berlin : „Es ist kein Ruhmesblatt gewesen“

Wie Parteisponsor Roland Specker mit Kabarettist Buchholz und Berliner Politikern übers Tempodrom diskutierte

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Die TempodromFinanzierung und das Sponsoring des Ex-Bauunternehmers Roland Specker bei einer SPD-Wahlparty waren am Montag Thema der RBB-Sendung „Berliner Platz“. Gäste waren neben Specker Annette Fugmann-Heesing, stv. SPD-Landesvorsitzende, Martin Lindner, FDP-Fraktionschef, Wolfgang Wieland, Grünen-Abgeordneter, Jürgen Marten ( Anti-Korruptions-Verein „Transparency International“), Kabarettist Martin Buchholz und Tagesspiegel-Redakteur Ulrich Zawatka-Gerlach. Moderation: Andreas Schneider. Wir dokumentieren die uns wesentlich erscheinenden Auszüge. Die Beiträge sind sinnwahrend gekürzt .

Andreas Schneider: Herr Specker, beim Tempodrom waren Sie wie beteiligt?

Roland Specker: Ich war Berater des Tempodrom-Teams. Es ist kein Ruhmesblatt gewesen, dass die Baukosten von 20 Millionen auf 30 Millionen Euro gestiegen sind. Das ist eine bittere Pille. Insbesondere für mich. Ich bin derjenige, dem die Politik vertraut hat, dass dies nicht eintreten wird.

Schneider: Die Firma Specker Bauten war Projektsteuerer. Sie sind bei Specker Bauten im Aufsichtsrat, aber nicht mehr direkt an der Firma beteiligt. Nun werden Millionen vom Senat nachgeschoben. Ein paar Tage später ist die Wahlparty der SPD, Sie finanzieren den VIP-Bereich mit 5000 Euro. Jetzt sagt der eine oder andere: Das ist die klassische Berliner Nummer. Meine Tante, deine Tante.

Specker: Ich glaube, ich war nicht ohne Einfluss beim Tempodrom. Als mitten in der Bauphase der Projektsteuerer von einem Tag auf den anderen die Arbeit niedergelegt hat, habe ich gesagt: Meine Firma, mit der soll man in Kontakt treten, vielleicht kann die das. Und dann hat die Stiftung Neues Tempodrom mit der Firma einen Vertrag geschlossen, auf Selbstkostenbasis.

Schneider: Und die andere Geschichte?

Specker: Ich habe von 2000 bis 2002 über 80 Spenden geleistet. Auch an Parteien. Ich bin (2001) gefragt worden: Kannst du das sponsern? Ich habe das gemacht, ich war nicht mal abends auf der Party da. Ich habe nicht die Gelegenheit genutzt, für das Tempodrom, für meine Firma, für mich oder was auch immer zu werben.

Schneider: Frau Fugmann-Heesing – war dies der richtige Sponsor?

Annette Fugmann-Heesing: Bisher kann ich keinen sachlichen Zusammenhang feststellen, der einen Vorteil für Herrn Specker deutlich machen würde. Der Tagesspiegel hat den zeitlichen Zusammenhang hergestellt. Das ist richtig. Aber einen sachlichen Zusammenhang gibt es nicht.

Martin Lindner: Es ist Pflicht der Politik zu klären: Ist das Zufall oder ist mehr dahinter? Dafür gibt’s den Untersuchungsausschuss.

Wolfgang Wieland: Wenn man umzieht in ein Café Größenwahn und Millionen verbaut, dann muss man die Frage stellen, kann man Kredite bedienen? Hätte man sie gestellt, hätte man sie verneinen müssen. Das Problem vor dem wir (2001) als Senat standen: Es gab eine Landesbürgschaft von 24 Millionen Mark. Die wären futsch gewesen, wenn die Insolvenz gekommen wäre. Wir hatten die Wahl zwischen Pest und Cholera.

Martin Buchhol z : Das hat doch mit dieser West-Berliner Subventionsmentalität zu tun. Und die Motivation, warum Sie spenden – das ist doch das Lavamat-Prinzip! Manus manum lavamat, eine Hand wäscht die andere. Was soll es sonst für einen Sinn haben?

Fugmann-Heesing: Sagen Sie mir einen Vorteil, den Herr Specker von der Ausfinanzierung des Tempodroms gehabt hat.

Schneider: Ich könnte mir vorstellen, wären diese Millionen nicht geflossen, wäre das Projekt nicht weitergegangen. Das heißt doch für den Projektsteuerer, es wäre kein Geld mehr in die Kassen gekommen. Sie haben ja nicht im Vorfeld alles bekommen, sondern immer für erbrachte Leistungen.

Specker: Das ist vollkommen richtig. Zum Thema Spenden: Ich bin angesprochen worden von CDU, FDP und von der SPD, ob ich helfe, und zwar ohne jeglichen Hintergrund.

Buchholz: Nennen Sie mir einen Grund, warum Sie das tun.

Specker: Es gibt Leute, die ohne Hintergrund etwas machen.

Buchholz: Das ist doch lebensfremd, dass die sich keine Vorteile versprechen!

Jürgen Marten: Uns geht es darum, Öffentlichkeit herzustellen. Das, was jetzt durch die Presse geht, macht deutlich, dass diese Öffentlichkeit nicht existiert hat.

Schneider: Herr Strieder fühlt sich als Teil einer Kampagne. Ist es eine Kampagne oder ist da journalistischer Impetus dabei?

Ulrich Zawatka-Gerlach: Politiker vermuten immer gerne eine Verschwörung hinter solchen Dingen. Das ist barer Unsinn. Die Dinge, die recherchiert worden sind, sind seriös. Und sie werden sicher vertieft im Untersuchungsausschuss und in anderen Gremien.

Schneider: Herr Specker, würden Sie noch mal eine Partei sponsern?

Specker: Ich werde so verfahren wie bisher. Da können die Zeitungen schreiben, da kann die Politik machen, was sie will – ich bleibe dabei. lvt

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