Berlin : Es lebe die Freiheit

Ex-Senatorin Karin Schubert ist nun Anwältin Den Abschied von der Politik hat sie vollzogen

Werner van Bebber

Sie hat es gut getroffen. Karin Schubert, ehemalige Justizsenatorin, fühlt sich erkennbar wohl an ihrer neuen Arbeitsstelle. Es sind die Räume der Anwaltskanzlei Fritze Paul Seelig am Kurfürstendamm – eine im doppelten Sinn groß-bürgerliche Altbauwohnung, hunderte Quadratmeter groß, Jugendstil-Interieurs und knarrendes Parkett. Karin Schubert ist nun Rechtsanwältin, heute soll sie vereidigt werden.

Eine lange Pause hat sie sich nicht gegönnt zwischen dem Ausscheiden aus dem Amt im vergangenen November und dem Eintritt in die Kanzlei. Vor ihrer letzten Plenarsitzung am 9. November 2006 war ihr „wehmütig“ zumute, wie sie damals sagte. Danach verbrachte sie zwei Wochen bewusst allein mit sich in der Provence. Sie sei ständig unterwegs gewesen, erzählt sie, habe die Landschaft noch einmal neu kennengelernt. Und sie hat dabei den Ärger verarbeitet, den sie über den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und dessen Art, sie aus der Politik zu entlassen, empfunden haben muss. Der hatte sich lange Zeit gelassen, bis er mit Karin Schubert über ihre politische Zukunft überhaupt zu sprechen bereit war. Währenddessen wurde schon heftig über einen Senat ohne die gestandene SPD-Rechtspolitikerin spekuliert. Bei ihrer Rückkehr aus der Provence, sagt sie heute lächelnd, sei der neue Senat noch immer nicht gebildet gewesen. Doch „wenn sie mich gefragt hätten, hätte ich Nein gesagt“.

Gut für sie, dass ihre Vorgängerin im Amt der Justizsenatorin, Lore Maria Peschel-Gutzeit, Schubert den Weg zu Fritze Paul Seelig geebnet hatte. Nun gehören der Berliner Sozietät schon zwei Justizsenatorinnen a. D. an. Dass sie eine neue Beschäftigung schon vor sich sah, habe ihr den Abschied von der Politik leichter gemacht, sagt Schubert. Sehr weit ist das alles noch nicht weg – immerhin war Karin Schubert 16 Jahre lang Rechtspolitikerin, erst als Ministerin in Sachsen-Anhalt, dann als Senatorin in Berlin. Sie hat das Land auch im Bundesrat vertreten, sie hat die Möglichkeiten zum Entscheiden genutzt – sie nennt es „sich einbringen“ –, und sie hat am Betrieb gelitten. Kein Ministeramt, sagt sie, sei so heikel wie das Amt des Justizministers oder -senators, nirgends sonst wechsele das Personal so häufig. Das hat mit der politischen Verantwortung für die Sicherheit der Gefängnisse zu tun. Die kann man als Minister oder Senatorin nur mittelbar garantieren. Doch wenn sich Gefangene zu häufig selbstständig machen, ist man politisch sehr unmittelbar dran,

Nun hat sie damit nichts mehr zu tun. Familienrecht, Erbrecht und Stiftungsrecht sind ihre Arbeitsgebiete. An der Art, wie heute Scheidungen und Sorgerechte vereinbart werden, kann man ihr zufolge einen gelinden Fortschritt erkennen. Schubert genießt die Freiheit, sich ganz neu und über Tage in Rechtsfragen hineinzudenken. Doch muss sie nun vieles selbst organisieren. Bei jedem Termin komme eine halbe Stunde hinzu, die man unterwegs sei, sagt sie. Ihr fehlt, was wohl alle Ex-Politiker vermissen – der Dienstwagen.

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