Berlin : Ess-Installationen: Alice im Büfettland

Christine-Felice Röhrs

Inmitten tulpenförmiger Lampen steht sie und ihre Hände flechten Papierschlangen. Schön sieht das aus und zugleich fremd, wenn die zierliche Frau wie eine Alice in ihrem Wunderland umher spaziert. Diese Alice ist zwar älter geworden und hat jetzt graue Haare - die Abenteuer im Wunderland scheinen schon länger her zu sein. Aber ihre Fantasie hat nicht gelitten: Jetzt macht Alice in Mitte nämlich eine Firma auf - mit Installationen für Büfetts. "Essen vom Tisch", so sagt Alice, alias Cornelia Janetscheck von Vietinghoff, "ist nämlich stumpfsinnig". Festlichen Mahlzeiten gebühre ein sinnlicher Hintergrund, zum Beispiel begehbare, schwimmende oder lebendige Büfetts.

Im Katalog, der so puristisch-kunstvoll ausschaut, dass er das profane Wort kaum verdient, sieht man zum Beispiel ein Arrangement von überdimensionalen Sperrholzstiefeln, die krumme und schiefe Platten halten. Oder: Grazile Rollwägelchen surren ferngesteuert durch die Gästeschar, und auf Stahlwollematratzen leuchten dann süß und bunt die Desserts. Aber: Wer das Stiefelbüffet oder das Surrende-Matrazen-Büffet nur erklärt bekommt, könnte allzu schnell wieder die Flucht ergreifen. Deshalb hat Cornelia Janetscheck an der Tieckstraße 38 einen Showroom eingerichtet. Da führt sie den Kunden die Auswüchse ihrer Fantasie vor. Und guckt den ersten Gästen nun zwischen Papierschlangen entgegen, die sich wie Lianen durch den Raum ranken. Sie sind an Gestellen befestigt und laufen unten in mit saftig-grünen Bananenblättern ausgelegten Schlaufen zusammen. Auf den Blättern ruhen wie Eier in Nestern Krabbenhäppchen und Satéspieße. Sowas berechnet die Künstlerin ihren Kunden dann mit 5000 Mark. Was noch wenig ist, darunter geht gar nichts. Und ohne Essbares. Das überlässt die Künstlerin Cateringfirmen.

Ihre Installationen baut die 49-Jährige fast immer selbst. Schließlich zimmerte sie bereits Kulissen im Theater, experimentierte mit Fotos - ein unsteter Geist, den es nach immer neuen kreativen Herausforderungen verlangte. In Paris ging das toll, da lebte sie acht Jahre. Bis sich Alice-Cornelia entschloss, das "Paradies" gegen die "Barbaren" auszutauschen, um sich endlich an einem Ort festzumachen. In Berlin. "Hier geht eine Firma wie diese einfach besser als in Paris. Denn hier ist es wie in der Dekorations-Wüste". Wie groß die Konkurrenz ist, weiß sie nicht. Denn sie lebe zurückgezogen, gehe kaum auf Partys und einen Fernseher habe sie auch nicht. Trotzdem könnte das Kalkül aufgehen. Wenn man bedenkt, dass zu den Büfett-Ideen Pommes in der aus Porzellan geformten Fritten-Schale gehörten...

Sinnessage, Telefon 24 62 89 42.

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