Ethikrat-Forderung : Berlin will Babyklappen erhalten

Die Forderung des Ethikrats nach einer Abschaffung der Babyklappen bleibt ohne Folgen für Berlin. Die Debatte halten kirchliche Träger dennoch für wichtig.

Wenn eine verzweifelte Mutter ihr Kind in die Babyklappe vom Krankenhaus Waldfriede legt, um es heimlich abzugeben, dann findet sie dort einen Umschlag. „Liebe Findelkindmutter“, steht in dem Brief. Er nennt ihr die Telefonnummer und E-Mailadresse der Seelsorgerin der christlichen Klinik in Zehlendorf, bei der sich die Mutter melden kann – falls sie es sich später anders überlegt. Damit sie sich als Findelkindmutter ausweisen kann, muss sie ein Stück vom Brief abreißen und es bei ihrem Kind zurücklassen. Im Krankenhaus erkennt man sie dann an den zusammenpassenden Hälften des Zettels.

„Es ist schon vorgekommen, dass Frauen sich wieder gemeldet haben“, sagt Bernd Quoß, Geschäftsführer des Waldfriede Krankenhauses, das als eins der ersten in Deutschland eine Babyklappe einführte. Quoß kennt die Argumente der Gegner, da die Klappen in einer „juristischen Grauzone“ liegen. Derzeit flammt die Debatte wieder auf, weil der Deutsche Ethikrat am Donnerstag eine Stellungnahme zum „Problem der anonymen Kindesabgabe“ veröffentlicht hat. Babyklappen und Angebote zur anonymen Geburt sollten aufgegeben werden, heißt es darin, weil das Recht des Kindes auf Kenntnis über seine Herkunft und eine Beziehung zu seinen Eltern verletzt werde.

Vier Babyklappen gibt es in Berlin, wo Eltern ihr Kind anonym abgeben können, wenn sie nicht mehr weiter wissen. Wie viele Kinder hier pro Jahr aufgefunden und dem Jugendamt gemeldet werden, konnte die Senatsjugendverwaltung am Freitag nicht sagen. Im Waldfriede Krankenhaus wurden in den vergangenen Jahren rund 30 Kinder abgegeben.

Meist werden die anonymen Angebote von kirchlichen Einrichtungen organisiert und sind private Initiativen. „Ich halte es nicht für sinnvoll, eine eingeführte Institution nach 10 Jahren abzuschaffen, in der bundesweit mehr als geschätzte 500 Kinder abgegeben wurden“, sagt etwa Bischof Markus Dröge von der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg. „Die Zahl zeigt, dass die Babyklappe Leben rettet.“ Auch Stefan Förner vom Erzbistum sagt, dass Babyklappen ein wichtiger „Ausweg aus einer verzweifelten Situation“ seien. Die Debatte sei jedoch wichtig, es müsse über weitere Lösungen nachgedacht werden. Beim Senat heißt es: „Für uns ist die Stellungnahme des Ethikrats kein Anlass, Babyklappen in Frage zu stellen“, sagt Martin Sand, Sprecher der Senatsverwaltung für Bildung und Forschung. fat

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