Berlin : Euro-Jäger

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Von Gerd Appenzeller

Der Euro wird uns ruinieren. Nicht wegen Euro-Teuro. Auch ob er eines Tages die Parität zum Dollar schafft oder auf ewig von den Amerikanern ausgeätscht wird, ist ziemlich egal. Die Wahrheit ist viel schlimmer. Unsere Kinder werden uns wegen des Euro ruinieren. Sie haben nämlich entdeckt, dass die vermeintliche Einheitswährung gar keine Einheitswährung ist. Dass sie sich, münztechnisch zumindest, unterscheidet. Seitdem legen sie kleine Schwarzkassen an. Sie sammeln „ausländische Euros“, wie sie das nennen. Kein Mensch spricht mehr von Pokemons. Der Euro ist in, der ausländische.

Wer kam eigentlich auf die Wahnsinnsidee, jedem Euroland eine individuelle Gestaltung der Münzrückseite zu erlauben? Es war doch vorhersehbar, dass das zu einer Sammelwut dramatischen Ausmaßes führen würde. Die französischen Euro-Münzen lösten, sozusagen, den Infekt aus. Man macht sich ja keine Vorstellung, wie viele Franzosen Berlin besuchen! Dann kamen die spanischen Centmünzen. Das liegt vermutlich daran, dass ein gewisser Prozentsatz der Berliner permanent zwischen den Balearen, den Kanaren, Schönefeld und Tegel pendelt. Keinen hohen Sammlerwert haben die niederländischen Münzen. Zu wenig Vielfalt. Überall ist Königin Beatrix abgebildet. Die Belgier und die Luxemburger haben das mit ihren Herrschern auch so gemacht. Es handelt sich offenbar um eine Beneluxrationalisierung. Auch nicht gut weg kommen die deutschen Euros. Der Adler sei so fett. Der absolute Kracher ist das finnische Sortiment: Die Torfbrombeere und der fliegende Singschwan erfreuen jedes Kinderherz.

Ein Münzsatz ist 3,88 Euro wert. Mal 12 macht 46,56 Euro. Und jetzt stellen Sie sich mal vor, die hätten auch noch die Scheine verschieden gestaltet!

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