Berlin : Euro: Wenn der "Euro-Bote" klingelt - lieber nicht öffnen

Jörn Hasselmann

Noch sind Berlins Ganoven nicht auf die Euro-Masche verfallen - noch nicht. Noch klingelte kein Trickbetrüger an den Türen, und auch Euro-Blüten sind - noch - nicht im Umlauf. Doch der Euro-Beauftragte der Berliner Polizei, Polizeidirektor Jörg Dumröse, ist sich sicher, dass es nur eine Frage der Zeit ist, wann Betrüger den ersten Euro-Trick ausgetüftelt haben.

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Ted: Der Euro - mehr Vor- oder mehr Nachteile? Wegen der Euro-Einführung hat die Polizei die Überwachung von Banken, Sparkassen und Postfilialen, aber auch von großen Einkaufszentren verstärkt - und zwar in Uniform und in zivil, wie Dumröse dem Tagesspiegel sagte. In dieser ersten Phase der Euro-Einführung erwartet die Polizei einen Anstieg der Kriminalität vor allem bei Betrug, Raub und Falschgeld. Betrug durch selbst ernannte "Umtauschbeauftragte" an der Haustür, der höhere Bargeldbestand in zwei Währungen bei Geschäften wird mehr Diebe anlocken. Und so wie zum Abschied der Mark mehr DM-Blüten im vergangenen Vierteljahr aufgetaucht sind, werden Falschmünzer nun die Unsicherheit über die neuen Scheine ausnutzen. Deshalb sollte man sich jetzt sofort mit den Sicherheitsmerkmalen der neuen Scheine in aller Ruhe vertraut machen, rät die Polizei.

Wichtigster Tipp des Eurobeauftragten der Berliner Polizei aber ist, niemals an der Haustür irgendein Geschäft abzuschließen - niemals. Und niemals sollte ein Fremder in die Wohnung gelassen werden, egal mit welcher Begründung, und auch nicht nach telefonischer Voranmeldung. Denn ist ein Betrüger erst einmal in der Wohnung, ist es meist zu spät, sagen Kriminalisten. Fast immer lauern im Treppenhaus ein oder mehrere Komplizen - und kein noch so sicheres "Versteck" in der Zuckerdose oder unter der Matratze sei vor ihnen sicher.

Vor allem an ältere Menschen richtet Polizeidirektor Dumröse den Hinweis, dass niemals ein Bankangestellter oder Behördenmitarbeiter an einer Haustür klingeln würde, um Euros zu tauschen, angebliches Falschgeld abzuholen oder auch die neuen Scheine "zu prüfen". Ein Euro-Trick könnte so aussehen: Ein freundlicher "Bankangestellter" klingelt an der Haustür, um das lästige Umtauschen zu erleichtern. Denn an den Schaltern seien die Schlangen ja so lang ... Und auch der Anruf einer Bank, dass sich das Institut beim Auszahlen "geirrt" habe, ist immer ein Trick.

Erfolgreiche Trickbetrüger haben in der Vergangenheit die Polizei gelehrt, dass Täter sich bewusst das Unwissen und ausgeprägtere Hilfsbereitschaft der Senioren zunutze machen - und auch mit den absurdesten Tricks und Ausreden durchkommen. Der Blick durch den Türspion und das Vorlegen der Sicherheitskette schützten am besten vor Überraschungen, heißt es bei den Beratungsstellen der Polizei.

Dumröse empfiehlt allen Menschen, die jetzt größere DM-Bestände zur Bank bringen wollen, sich von einem Verwandten oder einer Hilfsorganisation begleiten zu lassen. Die Polizei weiß, dass immer noch sehr viele ältere Menschen entgegen aller Warnungen größere Summen in der Wohnung horten - und nicht sicher auf einem Sparbuch anlegen. "Ältere Menschen neigen leider dazu", sagt Dumröse. Jeder Nachbar könne alten Menschen helfen, indem er für den Not- oder Zweifelsfall seine Telefonnummer bei ihnen hinterlegt.

Und auch von der neuen Währung sollten keine zu großen Mengen am Schalter oder am Geldautomaten abgehoben werden. Denn häufig werden besonders Rentner von so genannten Nachläufer-Tätern überfallen, die sie beim Abheben beobachten und sie dann verfolgen.

Aus polizeilicher Sicht sind auch Euro-Skeptiker gefährdet. Denn Betrüger würden sicher mit der Furcht vor dem Euro und der "Unsicherheit" der neuen Währung hausieren gehen - und mit Hochglanzprospekten "todsichere Kapitalanlagen" anbieten. "Wer aus Misstrauen gegenüber dem Euro auswärtige Kapitalanlagen sucht, kann leicht zum Opfer werden", heißt es zur Warnung auch bei der polizeilichen Beratungsstelle "Pro PK".

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