Berlin : Europäischer Filmpreis: Kino, Künstler, Kakerlaken

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Das "Delphi" war ausverkauft und das Publikum gespannt. "First Cuts" lockte am Vorabend der Verleihung des 14. Europäischen Filmpreises viele Fans ins Kino. Alle wollten sich ein Bild machen von frühen Werken erfolgreicher Regisseure und auch von den erfolgreichen Regisseuren selbst - gekommen waren István Szabó aus Ungarn, die Dänin Lone Scherfig, Ken Loach aus England, Fridrik Thor Fridriksson aus Island sowie Detlev Buck. Die Filmemacher wollen ihre Studentenfilme präsentieren und wechselseitig Kommentare abgeben, hieß es in der Vorankündigung. Doch zum Unmut des Publikums zeigten die Europäische Filmakademie und das Filmboard Berlin-Brandenburg jeweils nur Ausschnitte der Erstlingswerke.

Trotzdem - besonders großen Applaus bekam Detlev Buck für den Ausschnitt seines Films "Schwarzbuntmärchen", den er frisch motiviert nach einem Workshop an der Deutschen Film- und Fernsehakademie drehte. Es geht um Kühe, die von großen Ferien träumen. Buck hatte die Nutztiere aus allen möglichen und unmöglichen Perspektiven aufgenommen. Szabó, der damals das Seminar an der Akademie leitete, sagte über den Bauernsohn: "Es waren so sechs bis sieben Teilnehmer, alle sahen ungeheuer intellektuell aus. Dann kam plötzlich einer herein, der war kräftig und einfach. Er hatte einen fantastischen Humor. Das war Buck."

Fridrik Thor Fridriksson zeigte einen Ausschnitt aus dem 30-Minuten-Film "Black Smith", der das Porträt eines 80 Jahre alten Tüftlers zeichnet. Da jedoch viele der anwesenden Filmfans des Isländischen nicht mächtig und die Dialoge nicht untertitelt waren, erschloss sich die Geschichte des Films nicht unmittelbar. Im Anschluss an "First Cuts" veranstaltete die Europäische Film-Akademie mit ihren Partnern eine Party in der Cantina Berlin-Barcelona des Sage Club, zu der zwanzig junge Filmemacher, die in den Kategorien "Europäische Entdeckung des Jahres - Fassbinder-Preis" und "Europäischer Kurzfilm des Jahres - Prix UIP" nominiert sind. Außer den zwanzig jungen Filmemachern kamen natürlich noch jede Menge Partygäste und sieben Kakerlaken, die für gar nichts nominiert waren. Die Viecher sollten bloß um die Wette rennen und so den Kampfgeist der jungen Filmemacher anstacheln.

Viele der Kreativen setzten auf die Kakerlake Nina, die als schnell, spurtkräftig und erfahren gilt, aber auch auf Pamir, der sich seinen Ruf als durchtrainierter, schmerzunempfindlicher Kämpfer hart erarbeitet hat. Schließlich gewann der gewissenlose Ivan, der wie immer keine Gnade walten ließ. Die jungen Filmemacher waren entzückt.

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