Berlin : Expedition nach Berlin

Der 138-jährige Polarforschungs-Segler „Grönland“ macht in Mitte fest

Heidemarie Mazuhn

Berlin bekommt Besuch von hoher See: Am 17. Mai geht am Schiffbauerdamm die legendäre „Grönland“ vor Anker. Sie ist mit 138 Jahren eines der ältesten noch segelnden Seeschiffe Deutschlands. Aber nicht nur das: Auf der 1867 in Norwegen als Robbenfänger gebauten „Grönland“ wurde die Geschichte der deutschen Polarforschung begründet. 1868 war der Bremer Kapitän Karl Coldewey mit dem Schiff zur ersten deutschen Nordpolar-Expedition aufgebrochen und erreichte dabei den nördlichsten Punkt, den je ein Seeschiff ohne Maschinenantrieb geschafft hatte. Die Reise war so erfolgreich, dass die Ergebnisse bis heute die Polarwissenschaft mitbestimmen.

Heute dient die „Grönland“ als Traditionsschiff des Deutschen Schifffahrtsmuseums Bremerhaven (DSM). Außerdem wird sie dazu eingesetzt, in Zeiten hochtechnisierter Schifffahrt traditionelle seemännische Fähigkeiten zu erhalten und zu erforschen. Obendrein wirbt das mehr als 29 Meter lange und sechs Meter breite Schiff für den Forschungsstandort Bremerhaven. Davon können sich ab 17. Mai auch die Berliner ein Bild machen: Zur ehrenamtlichen Crew der „Grönland“ gehören auch Polarforscher und Schifffahrtshistoriker. Auf dem für Besucher geöffneten Schiff und in der Bremer Landesvertretung wollen sie ihre Wissenschaft vorstellen. Zu deren bedeutendsten Vertretern zählt immerhin ein Berliner – Alfred Wegener.

Einen „schweigsamen Mann mit liebenswürdigem Lächeln“ nannte man den am 1. November 1880 in Berlin geborenen Forscher, der im November 1930 von seiner letzten Grönland-Expedition nicht zurückkehrte. Wegener, nach dem in Bremerhaven das Institut für Polar- und Meeresforschung benannt ist, wurde durch seine Theorie der Kontinentalverschiebung berühmt. Beim maritimen Gastspiel der Bremerhavener in Berlin kann man mehr über ihn hören. „Alfred Wegener – ein Leben für die Forschung“ heißt ein Vortrag am 27. Mai um 18 Uhr in der Bremer Landesvertretung in der Tiergartener Hiroshimastraße.

Dort wurde auch die „Grönland“-Expedition nach Berlin erdacht – in Erinnerung an einen Besuch des Schiffs während der 70er Jahren in der Bundeshauptstadt, die damals noch Bonn hieß. Die Idee, das in Berlin wiederholen, fand einen Unterstützer in Rainer Boldt, dem Vorsitzenden der Interessengemeinschaft Friedrichstraße, macht doch das Schiff quasi an seinem Boulevard fest.

Die Tour nach Berlin unternimmt die „Grönland“ allerdings ohne Segel. Auf dem Binnenwasserweg von Bremerhaven über Bremen, Hannover, Magdeburg und Potsdam muss sie zahlreiche Brücken passieren, deren Durchfahrtshöhe maximal vier Meter ist. Mit Mast ist das Schiff aber 24 Meter hoch. So muss es mit Maschinenkraft am 8. Mai in See stechen. Der Mast folgt auf dem Landweg. Am Liegeplatz im Berlin bekommt die Grönland polarerfahrene Gesellschaft. Der Akademische Seglerverein ankert mit der „Walross II“ neben ihr – sie war 1972 die erste deutsche Yacht, die nach der „Grönland“ bis Spitzbergen segelte. Der Akademische Seglerverein organisiert auch den würdigen Empfang des legendären Schiffs aus dem Norden. Zu dessen Begrüßung in Potsdamer Gewässern soll die Fregatte „Royal Louise“ auf dem Jungfernsee eine Breitseite Salut schießen. Eine Flotte von Yachten wird danach die „Grönland“ havelaufwärts bis Spandau begleiten. Hier übernimmt dann eine Flotte des Historischen Hafens in Mitte die Eskorte des Traditionsschiffes zu seinem Liegeplatz zwischen Reichstag und Bahnhof Friedrichstraße. Und dort heißt es dann auf der „Grönland“: Open Ship.

Open Ship auf der „Grönland“, 17. bis 27. Mai, täglich von 11 bis 17 Uhr, Schiffbauerdamm, Mitte

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