Berlin : Experten erforschen den Klimawandel für Berlin

Spätestens bis Mitte des Jahres sollen die Berliner genauer erfahren, was durch den Klimawandel auf sie zukommt. Dann will der von Umweltsenatorin Katrin Lompscher (Linke) im September berufene Klimaschutzrat nicht nur die Folgen der Erderwärmung mit heißeren Sommern und längeren Trockenperioden für die Region beschreiben, sondern auch Anpassungsstrategien und Gegenmittel präsentieren.

Nach Auskunft des Vorsitzenden Hans-Joachim Ziesing hat der Rat bisher fünf Arbeitsgruppen gebildet. Drei davon befassen sich mit Gesetzentwürfen, die zurzeit im Bundesrat diskutiert werden und große Veränderungen erwarten lassen. Bevorstehende EU-Beschlüsse, etwa zum Handel mit Verschmutzungsrechten, dürften sich auf Energieversorgung und -preise ebenso auswirken wie der von der Bundesregierung propagierte Ausbau der relativ umweltfreundlichen Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Nach Auskunft von Lompscher hat Berlin eigene Anträge zum Ausbau dezentraler KWK-Anlagen in den Bundesrat eingebracht. Diese Technik ist laut Lompscher „entgegen anders lautender Aussagen auch jenseits von Großanlagen“ hoch effizient. Ob das als Kampfansage gegen den von Vattenfall geplanten Neubau eines klimaschädlichen großen Kohlekraftwerks in Lichtenberg gemeint war, ließ Lompscher offen.

Klar ist aus Sicht der Senatorin, dass das erste Windrad Berlins in Pankow möglichst bald gebaut werden solle: „Damit würde sich der Anteil erneuerbarer Energien in der Stadt vervielfachen.“ Lompscher will mit dem Naturschutzbund reden, der gegen den Bau klagt. Der Verband fürchtet, dass das Rad geschützte Vögel erschlagen könnte.

Der Grünen-Abgeordnete Michael Schäfer lobte zwar Lompschers Teilnahme an allen bisherigen Ratssitzungen, kritisierte aber die Ziele: „Wir haben weniger ein Erkenntnis- als ein Umsetzungsproblem.“ Während die Auswirkungen des Klimawandels bereits bekannt seien, werde zu wenig zur Energieeinsparung getan – etwa durch Sanierung öffentlicher Gebäude. Und weil im Klimaschutzrat nicht nur unabhängige Experten säßen, sondern auch Vertreter von Vattenfall und Gasag, seien objektive Empfehlungen kaum zu erwarten. obs

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