Facebook-Pfarrer : Mit Gott im Netz

Der Mottorad-Pfarrer Bernd Schade organisiert ein christliches Facebook-Freundestreffen und hofft auf Begegnungen jenseits der virtuellen Welt.

von
Mit Gott im Netz. Bernd Schade und Bianca Baum.
Mit Gott im Netz. Bernd Schade und Bianca Baum.Foto: Mike Wolff

Die Tische im Festsaal sind schon aufgestellt, das Buffet ist vorbereitet. Bernd Schade, seines Zeichens Motorrad-Pfarrer und Klinikseelsorger und die Essener Psychotherapeutin Bianca Baum freuen sich auf den Freitagabend. Dann beginnt ihr „Facebook-Freundestreffen“: Im Festsaal der Felsenkirchengemeinde im Märkischen Viertel werden sich mehr als 100 Menschen begegnen, von denen sich viele nie zuvor gesehen haben. Die aber seit Monaten im sozialen Netzwerk Facebook miteinander kommunizieren.

„Die Idee kam, als ich eines Tages von einer Facebook-Bekannten zum Geburtstag eingeladen wurde, hingegangen bin und das gepostet habe“, sagt Schade. Eigentlich war der Pfarrer nur widerwillig in das soziale Netzwerk eingestiegen. Eine Jugendliche aus dem Kirchenkreis hatte ihn überredet. Aber bald schon gab es kein Zurück: Nach einem Jahr hatte er mehr als 2000 Freunde in der virtuellen Welt. Darunter auch Baum, die die Neuapostolische Kirche verlassen wollte, und sich mit dem evangelischen Pfarrer über den Protestantismus austauschte. Und bald auch über andere Themen: Gemeinsam beschlossen sie, sich mit all ihren Facebook-Freunden einmal in der realen Welt zu treffen. „Auf Facebook ist der Ton oft rau, die Menschen streiten sich“, sagt Baum. „Wir wollen, dass die Menschen im realen Leben zusammenfinden.“

Und Schade hofft auf Begegnungen, „so, wie das früher mit Brieffreunden war: Man fällt sich in die Arme, aber man gewinnt auch schnell Distanz.“ Dank Facebook seien Städte wie Essen, Dresden oder Kassel plötzlich zu Orten geworden, an denen Freunde leben. „Orte, an denen ich stoppen kann“, sagt Schade. Dennoch kann nicht einfach jeder zum Treffen kommen: „Wir haben eine verbindliche Anmeldung eingeführt. Viele Facebook-Partys sind in der Vergangenheit schiefgegangen, und als Privatmann kann ich nicht für 25 000 Euro Dreck wegräumen“, sagt Schade. Menschen, die der Pfarrer aus der christlichen Motorrad-Szene kennt, würden darauf achten, dass nur angemeldete Besucher in das Gemeindehaus kämen. „Schließlich gibt es immer auch Menschen, die nur auf Krawall aus sind – und die sollen bitte draußen bleiben.“

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar