Fachmesse für Designmöbel in Berlin : Bye bye, Billy!

Günstig war gestern: Immer mehr Berliner investieren in Designmöbel. Am Wochenende treffen sich Vintage-Fans auf einer Fachmesse am Ostbahnhof.

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Die Erleuchtung. Lampen und Stühle sind bei den Besuchern der Designbörse besonders beliebt.
Die Erleuchtung. Lampen und Stühle sind bei den Besuchern der Designbörse besonders beliebt.Foto promo

Es ist noch nicht lange her, da gab es jährlich neue Wohntrends, auch und gerade in Berlin. Doch das passt kaum noch in eine Welt, die der Wegwerfgesellschaft mit Nachhaltigkeit etwas entgegensetzen will. „Der wichtigste Trend in der Einrichtungswelt: Es gibt kein Richtig oder Falsch mehr. Nicht nur das Leben ist widersprüchlich – unsere Wohnungen sind es auch“, sagte Markus Majerus von der Internationalen Möbelmesse Köln.

„Designermöbel sind die modernen Antiquitäten“, sagt Regina Pröhm, seit 25 Jahren im Antiquitätenhandel und Mitgründerin der Designbörse Berlin. Ob Bauhaus aus den 1920er Jahren, das wilde Memphis-Design der 1980er oder der zurzeit sehr angesagte Mid-Century-Stil der 1950er: Auf der inzwischen 7. Börse für Produkt- und Industriedesign im vierten Stock des ehemaligen Centrum-Warenhauses der DDR – heute Galeria Kaufhof am Ostbahnhof – findet jeder etwas aus einem Zeitraum von rund 120 Jahren.

„Designermöbel haben ihre eigene Wertigkeit“, sagt Regina Pröhm. „Sie wurden gesammelt, kamen dann in die Auktionshäuser, es folgten die ersten Publikationen, und so ist ein eigener Markt entstanden.“ Die Ausstellerliste der Designbörse zählt dann auch mehr als 100 Teilnehmer, die sich auf 3000 Quadratmetern dem Berliner Publikum präsentieren. An diesem Januartag sitzt Pröhm im Lomomo, dem Laden von Lars Triesch in der Karl-Marx-Allee, an einem Ahorntisch von Paul McCobb aus den 1950er Jahren – kombiniert mit wunderbar filigranen Stühlen ein gutes Beispiel für das angesagte Mid-Century-Beispiel.

Regina Pröhm, hier im Designshop Lomomo, organisiert die Messe.
Regina Pröhm, hier im Designshop Lomomo, organisiert die Messe.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Auch Filmrequisiten und Industrieleuchten werden angeboten

Triesch selber ist dieses Jahr nicht dabei, hat aber auch schon an der Messe teilgenommen. Am kommenden Wochenende werden dort Designikonen wie der Egg Chair von Arne Jacobsen zu sehen sein, ein Klassiker des skandinavischen Designs, sowie mehrere Exemplare des Fiberglas-Armchair von Charles Eames, beide Entwürfe sind Design-Ikonen aus den 1950er Jahren.

Diese Entwürfe haben aber gar nichts von Nierentisch oder Gelsenkirchener Barock, sondern klare, schöne Formen und bestechen auch heute noch durch ihre Qualität. Bei der Börse werden auch Filmrequisiten, Stoffe und Industrieleuchten angeboten.

„Viele junge Händler beschäftigen sich heute mit Designmöbeln, restaurieren sie liebevoll und werden zu Fachleuten auf diesem Gebiet“, sagt Regina Pröhm, der man ihre Begeisterung für das Thema anmerkt. Sie selbst kam dazu, als sie ihr vor acht Jahren erbautes Betonhaus mit passenden Möbeln einrichten wollte. „Wir haben nach Unikaten gesucht, nach Originalen, sind dafür durch Europa gereist und haben uns am Ende gesagt: So muss es doch auch anderen Liebhabern gehen.“ Also entschloss sie sich, diese besonderen Produkte nach Berlin zu bringen – die erste Designbörse Berlin war geboren, damals noch am Postbahnhof.

Der Kauf der Möbel ist auch Investition.
Der Kauf der Möbel ist auch Investition.Foto: promo

Der Kauf ist auch Investition

Vor allem in Brüssel und Amsterdam finde man viele Sammler und Händler, aber auch in Großbritannien, weiß die Expertin. Mittlerweile sei die Berliner Designbörse etabliert. Dabei geht es Regina Pröhm und ihren Mitstreitern nicht nur ums Geschäft. Sie sieht die Messe auch als Teil kultureller Aufklärung, wirbt für schöne Unikate und lehnt die Produkte der Wegwerfgesellschaft ab. „Wir wollen den Menschen auf der Messe das Erlebnis vermitteln. Der Kauf ist natürlich eine Investition, die sich aber auf lange Sicht rechnet und vielleicht preiswerter ist als der Verschleiß von vier billigen Möbeln im gleichen Zeitraum“, sagt sie. Zu den Besonderheiten der Messe gehört auch eine Sonderschau zum DDR-Design, die der Designhistoriker Günter Höhne rund um das Thema Tischkultur zusammengestellt hat.

Wer zu Hause ein Designerstück hat und sich über dessen Wert und Echtheit nicht ganz sicher ist, kann sein Objekt am Sonnabend von 15 bis 18 Uhr von Arthur Floss, dem Experten des Münchener Auktionshauses Quittenbaum, kostenlos begutachten und schätzen lassen. Dabei komme es immer zu interessanten Begegnungen und manchmal auch zu Entdeckungen, erzählt Pröhm.

Nachgefragt sind im Moment Objekte der 1950er und 1970er Jahre – vor allem skandinavisch inspirierte Holzmöbel – und Stücke, die durch die Experimentierfreude mit damals neuen Materialien auch das Publikum von heute faszinieren.

Die Designbörse muss sich demnächst übrigens selbst neu einrichten, sie findet zum letzten Mal am Ostbahnhof statt, ein neues Domizil wird noch gesucht.

Galeria Kaufhof Ostbahnhof, 4. Stock, Erich-Steinfurth-Straße, 10243 Berlin.

Fr 16-20 Uhr, Sa 12-20 Uhr, So 13-18 Uhr. Eintritt: Fr 10 Euro, Sa/So 5 Euro. Mehr Informationen und Onlinekatalog unter www.design-boerse-berlin.de

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