Berlin : Fahndung: Keine Spur vom Mörder des Berliner Taxifahrers

Jörn Hasselmann

Die Polizei hat noch keine Spur vom Mörder des Taxifahrers Siegfried M. Der 45-jährige Berliner war am Sonnabendmorgen an der Rosenstraße in Potsdam-Babelsberg in seinem Auto gefunden worden. Eine gerichtsmedizinische Untersuchung ergab als Todesursache "stumpfe Gewalt gegen den Kopf", teilte die Potsdamer Polizei in der Nacht zu Sonntag mit.

Der Berliner war um 6.20 Uhr von einem Anwohner zusammengesunken hinterm Steuer des abgestellten Taxis gefunden worden. Da das Fahrzeug abgeschlossen war, rief der Spaziergänger die Polizei. Die Beamten der nahe gelegenen Wache aus der Stephensonstraße zerschlugen die Seitenscheibe - konnten dem Mann aber nicht mehr helfen. Die Tat muss etwa zwischen 1 Uhr und 6 Uhr morgens geschehen sein. Denn um 1 Uhr habe noch kein Taxi in der Straße gestanden, sagte ein Anwohner bei der Polizei aus.

Experten der Spurensicherung entdeckten in der Nähe des Fahrzeuges - eines der etwa 7000 Berliner Taxis - eine Geldtasche. Ob sie dem Taxifahrers gehörte, konnte der Lagedienst der Potsdamer Polizei gestern nicht sagen. Dem Vernehmen nach sind die Autoschlüssel und die Papiere des Mannes verschwunden.

Die Taxe soll dem größten Berliner Unternehmen "Taxi Funk Berlin" mit 2700 Fahrzeugen gehören. Unklar blieb gestern, ob Siegfried M. einen Fahrgast in die stille und abgelegene Seitenstraße fuhr - und von wo er kam. Berliner Taxis dürfen zwar Fahrgäste nach Brandenburg bringen, aber nicht dorthin bestellt werden, um einen Fahrgast abzuholen. Kriminalisten halten sowohl einen Raubmord als auch einen Streit um den Fahrpreis für vorstellbar.

So war es auch beim letzten Mord an einem Taxifahrer. Anfang November 1998 hatte ein 37-jähriger Schlosser in Köpenick einen türkischen Taxifahrer mit sechs Schüssen getötet. Falko S. hatte zu wenig Geld dabei gehabt, seine Jacke als Pfand zurückgelassen, war dann jedoch mit einer geladenen Pistole zurückgekehrt. Er schoss Bekir G. mehrfach in den Rücken. Der Richter, der Falko S. im März 1999 zu 14 Jahren Haft wegen Mordes verurteilte, sprach von einer "regelrechten Hinrichtung".

Auch Raubüberfälle auf Taxifahrer werden häufig streng bestraft. Fünf Jahre bekam zum Beispiel ein 24-Jähriger, der einem Fahrer eine geladene Gaspistole an den Kopf hielt und Geld verlangte. Im März diesen Jahres wurden zwei Frauen zu jeweils zwei Jahren und neun Monaten verurteilt, die gemeinsam einen Taxifahrer mit dem Messer angegriffen hatten.

Alle diese Taten geschahen nachts - nach Angaben der Taxi-Innung passieren zwischen 22 Uhr und 6 Uhr rund 80 Prozent aller Überfälle.

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