Berlin : Fahndungserfolg: 15 Monate lang narrte Staps die Ermittler - bis gestern

Werner Schmidt,Holger Stark

Am Freitagmorgen um 2.05 Uhr war Schluss. In der Diskothek "K 17" nahmen Zivilfahnder einen der meistgesuchten Männer Berlins fest - den seit September 1999 untergetauchten Olaf Jürgen Staps. Staps sei "völlig überrascht gewesen", sagte ein Beamter. 15 Monate lang beschäftigte der 40-Jährige die Ermittler, der erst seine Wohnung abgefackelt, dann ein Attentat auf das Liebknecht-Luxemburg-Gedenken angekündigt hatte. Die Experten nahmen die Drohung ernst; Polizei und PDS verschoben eigens die geplante Großveranstaltung. Während die Beamten Staps in Suppenküchen und der Sado-Maso-Szene suchten, lebte er monatelang unerkannt in einer Wohngemeinschaft in Mitte.

Erkannt hatten ihn in der Nacht zu gestern drei Besucher der Disko "K 17" in der Kadiner Straße in Friedrichshain - einer Seitenstraße der Grünberger Straße, wo Staps früher wohnte. Die jungen Männer benachrichtigten die Polizei des Abschnitts 62. Staps ließ sich in der von etwa 200 Gästen besuchten Diskothek widerstandslos festnehmen. Zunächst leugnete er, der Gesuchte zu sein, konnte dann aber anhand seines Personalausweises, den er bei sich hatte, identifiziert werden. Auf den Mann war eine Belohnung von 10 000 Mark ausgesetzt.

Den 17, 25 und 26 Jahre alten Männern war der Mann bereits vor einigen Wochen in der Diskothek "Stellwerk" an der Danneckerstraße in Friedrichshain aufgefallen, weil er älter als das normale Publikum war. Als die Zeugen später in einer Zeitung Staps Bild sahen, nahmen sie den Zeitungsausschnitt mit - für den Fall, dass ihnen der Verdächtige erneut über den Weg lief. Staps hatte sein Äußeres nur wenig verändert - lediglich seine Haare waren etwas länger als auf dem Fahndungsfoto und schwarz gefärbt. Er war ordentlich gekleidet, habe eine schwarze Hose und ein dickeres T-Shirt sowie eine Windjacke getragen. Bei den Vernehmungen nach der Festnahme sagte der gebürtige Thüringer aus, er sei schon öfter in der Disco gewesen.

Vor dem Ermittlungsrichter gab er die Drohungen und auch die Brandstiftung zu - dass er aber tatsächlich einen Anschlag geplant habe, verneinte er vehement; er habe gar keine Waffen gehabt. Dann solle er doch zeigen, wo er sich ein Jahr lang versteckt gehalten habe, forderten ihn die Ermittler auf. Wenn er tatsächlich keine Waffen habe, spreche das doch für ihn. Nein, das wolle er nicht, antwortete Staps - aus Angst, die Beamten könnten ihm Waffen "unterjubeln". Schließlich gab er doch nach und führte die Polizisten in eine Wohngemeinschaft in Mitte, in der er mit drei anderen Personen lebte.

In seinem Zimmer fanden die Fahnder ein Notebook mit etwa 1000 Seiten Aufzeichnungen, zwei Gaspistolen, ein Reizgasspray sowie fast 10 000 Mark in bar. Staps gab an, sich auf eine Zeitungsannonce gemeldet zu haben und dann im April in die Wohnung eingezogen zu sein. Näheren Kontakt zu den anderen Bewohnern soll es nicht gegeben haben, diese wollen Staps auch nicht erkannt haben. Zuvor habe er in verlassenen Bauruinen in Ost-Berlin gelebt, sagte Staps. Unterstützer will er nicht gehabt haben.

Olaf Staps hatte Anfang des Jahres gedroht, die für den 9. Januar geplante PDS-Gedenkdemonstration für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht mit Maschinenpistole und Handgranaten anzugreifen. Zuvor hatte er im September 1999 seine Wohnung in der Grünberger Straße angezündet und dabei auch einen Großteil seiner Sachen vernichtet. Der Brandstiftung war ein Streit mit dem Hauseigentümer vorausgegangen, der das Gebäude sanieren und modernisieren wollte und Staps als letzten Bewohner gerne losgeworden wäre. Weil Staps sich von der PDS nicht genug unterstützt fühlte, wandte sich sein Zorn auch gegen die Sozialisten. Dass Staps noch immer in der Nähe seiner früheren Wohnung lebte, vermuteten Ermittler bereits, nachdem ihn eine ehemalige Kommilitonin am 11. November in der Musikabteilung von Saturn am Alexanderplatz erkannt hatte.

PDS und Polizei reagierten erleichtert auf den Fahndungserfolg. "Wir nehmen das mit Beruhigung zur Kenntnis", sagte die Berliner PDS-Landesvorsitzende Petra Pau gestern. "Das war schließlich kein Dummer-Jungen-Streich." Staps droht wegen Nötigung, Bedrohung und schwerer Brandstiftung eine Haftstrafe. Er sitzt derzeit in der JVA Moabit.

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