Berlin : Fahnenmeer zur Rettung nationalerEhre Wie türkische Blätter über die Demo

gegen ein „Armeniermärchen“ berichten

Suzan Gülfirat

Am kommenden Sonntag soll der Kurfürstendamm in ein Meer aus Halbmond-Fahnen getaucht werden, kündigten am Sonnabend alle türkischen Zeitungen an. Zumindest die Türkische Gemeinde zu Berlin (TGB) wünscht sich dies Bild bei einer Demonstration, die sich gegen „die Entwicklungen in Berlin und Deutschland“ (Hürriyet) beim Thema „Armeniermärchen“ (Türkiye) richtet. Der Protestzug soll sich um 12 Uhr am Adenauerplatz in Bewegung setzen und an der Gedächtniskirche enden.

Genauer erklärte die Hürriyet in den Unterzeilen: „Am 19. Juni wird aufgrund der Entwicklungen im Deutschen Parlament, den so genannten Armeniergenozid anzuerkennen, und aufgrund des gerade erschienenen Buches der Integrations- und Migrationsbehörde in Berlin, in dem über den so genannten Armeniergenozid berichtet wird, eine Demonstration stattfinden.“ Und tatsächlich will der Migrationsbeauftragte des Senats, Günter Piening, demnächst das 49. Heft aus der Schriftenreihe seiner Behörde über das Leben und die Geschichte der in Berlin vertretenen Ethnien vorstellen. Der Titel: „Armenier in Berlin – Berlin und Armenien“. Was die Türken aufregt, sind die Seiten des Heftes, die sich dem Völkermord an den Armeniern 1915 durch die osmanische Armee widmen. Die Türkei bewertet die damaligen Ereignisse, bei denen nach armenischen Angaben 1,5 Millionen Menschen umkamen, bis heute nicht als Völkermord.

Doch ob die ursprünglich für den gestrigen Sonntag angekündigte Demonstration wegen der Publikation des Ausländerbeauftragten verschoben wurde, ging aus den türkischen Zeitungen nicht hervor. Noch bevor das Werk der Armenienkennerin Tessa Hofmann der Öffentlichkeit gezeigt werden konnte, zeigte die Hürriyet am Donnerstag die Titelseite des Heftes mit der Überschrift: „Die große Schande von Berlin“. Daraufhin bat die Türkische Botschaft die Migrationsbehörde um ein Exemplar. Am Sonnabend zeigten die Zeitungen Vertreter der Türkischen Gemeinde mit Plakaten: „Jetzt reicht es! Nimm Deine Fahne in die Hand und komm! 19. Juni 2005. Die Türken – eine Stimme und Herz!“, war darauf zu lesen. Nach einem Bericht der Türkiye wollen sich an dem Protestmarsch mindestens acht türkische Trägervereine beteiligen.

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