Berlin : Fahren bis es quietscht

Verkehr auf der U 8 war nach Defekt in der Stromversorgung unterbrochen. Kritiker führen die Pannen bei BVG auf Sparkurs zurück

Klaus Kurpjuweit

Der U-Bahn-Verkehr war am Freitag erneut nach einer Panne unterbrochen. Wegen eines Defekts in der Stromversorgung fuhren auf der Linie U 8 zwischen Osloer Straße und Jannowitzbrücke zwischen 6.20 Uhr und 6.50 Uhr keine Züge. Während die meisten Fahrgäste in Busse umsteigen konnten, mussten die Insassen eines Zuges 20 Minuten im Tunnel ausharren, ehe die Fahrt weiterging. Erst am Mittwoch war der Verkehr auf der U 9 fünfeinhalb Stunden lang nach einer Panne an einem Zug unterbrochen. Während die BVG darin einen „dummen Zufall“ sieht, führen Kritiker die technischen Störungen auch auf den rigiden Sparkurs der BVG zurück, der vom Senat verordnet worden ist.

Pannen gebe es überall, entgegnete dazu gestern BVG-Sprecherin Barbara Mansfield. Auch die S-Bahn sei davon betroffen. An der Sicherheit werde überhaupt nicht gespart. Das behaupten auch die Kritiker nicht. Sie sagen, die Probleme entstünden aber dadurch, dass die nicht sicherheitsrelevanten Bereiche nicht mehr so häufig gewartet würden wie früher. Intern bestätigen Experten, dass in vielen Bereichen „auf Verschleiß“ gefahren werde. Das heißt, Teile werden erst ausgewechselt, wenn sie tatsächlich defekt sind. Früher dagegen habe man sie schon ersetzt, wenn die Gefahr bestanden habe, dass sie ausfallen könnten.

Die BVG muss mit Zügen fahren, die zum Teil fast 40 Jahre alt sind. Ihr Wunsch, sie zu ersetzen, wird vom Senat nicht erfüllt. Die Regierung will die Zuschüsse an die BVG lieber weiter kürzen. So muss der Betrieb die alten Wagen immer wieder auf Vordermann bringen. Derzeit läuft ein solches Modernisierungsprogramm. Ähnlich sieht es bei den Bussen aus. Weil jahrelang keine neuen Doppeldecker angeschafft worden waren, mussten die Fahrzeuge länger im Einsatz bleiben als ursprünglich geplant. Der Rost hielt sich aber nicht an die Vorgaben, so dass die Fahrzeuge in Massen zur Reparatur mussten. In den Werkstätten wiederum mangelt es häufig an Personal, weil die Mitarbeiter dort, die einen Bus fahren dürfen, oft zum Fahrdienst eingeteilt werden.

Auch auf den Bahnhöfen ist zu sehen, dass die BVG oft nicht mehr hinterherkommt. Farbschmierereien sollten ursprünglich schnell beseitigt werden. Jetzt prangen sie wochen- oder gar monatelang an den Wänden oder Stützen, wie auf dem Bahnhof Hohenzollernplatz. Dort sind die Sorgen aber ohnehin noch größer. Wie auf anderen Stationen auch, tropft Wasser durch die undichte Decke. Auch der bauliche Sanierungsaufwand ist riesengroß – immerhin ist die U-Bahn fast 101 Jahre alt.

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