Berlin : Fahrgastverband hält das Sparticket für zu teuer

Verkehrsverbund will die verbilligte Monatskarte für Fahrten nach 10 Uhr zunächst neun Monate lang testen. Tickets auch für Hunde

Klaus Kurpjuweit

Viele zusätzliche Fahrgäste erhoffen sich die Planer von der neuen übertragbaren „Spar-Umweltkarte“ bei der BVG und der S-Bahn sowie im Regionalverkehr der Bahn. Sie gilt, wie berichtet, von 10 Uhr an sowie am Wochenende ganztägig und kostet knapp ein Viertel weniger als die „normale“ Monatskarte. Deren Preis soll zum 1. April 2004 allerdings von 58,50 Euro auf 64 Euro steigen; die Sparvariante gibt es dann für 49,50 Euro.

Auf dieses neue Angebot hat man sich so überraschend geeinigt, dass es bisher noch nicht einmal einen Namen für die Karte gibt. Der Vorschlag, sie einzuführen, stammt vom Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB). Zuvor hatten sich auch die CDU sowie der Fahrgastverband IGEB dafür eingesetzt.

Nach Ansicht von Christfried Tschepe vom IGEB-Vorstand ist die „Sparkarte“ aber immer noch zu teuer. Andere Städte böten bei ähnlichen Angeboten einen Nachlass bis zu 40 Prozent. Dann gibt es allerdings auch am Nachmittag Sperrzeiten. Mit der „Sparkarte“ darf man, anders als bei den neuen Regeln für die Monatskarten, werktags nach 20 Uhr sowie am Wochenende auch keinen Erwachsenen und keine Kinder gratis mitnehmen. Bei dem vorgesehenen Preis sei die „Sparkarte“ auch kein Ersatz für die wegfallenden Sozial-, Senioren- und Arbeitslosentickets. Hier hat der Senat auch die letzten Zuschüsse gekürzt.

Die neue „Sparkarte“ gibt es nach der Einführung am 1. April zunächst nur bis Ende 2004. Danach soll entschieden werden, ob sie zu einem Dauerangebot wird. Die Verkehrsunternehmen müssen so viele zusätzliche Kunden gewinnen, dass sie durch den Preisnachlass gegenüber der Monatskarte keinen Verlust einfahren. Dafür wird die erst 2001 eingeführte Berlin-Card gestrichen. Sie kostet für das Stadtgebiet 38 Euro im Jahr und berechtigt zu Fahrten zum Ermäßigungstarif.

Bei den neuen Regeln für den Einzelfahrschein sind die Planer dagegen überzeugt, dass sie nur eine geringe Zahl von Fahrgästen verlieren werden. Dies bezweifelt Tschepe. Vor allem viele Rentner hätten die Möglichkeit genutzt, mit dem Einzelfahrschein, der bisher zwei Stunden gilt, hin und zurück zu fahren. Nun wird der Preis zwar von 2,20 Euro auf zwei Euro gesenkt, doch dafür darf man nur noch in eine Richtung auf direktem Weg zum Ziel fahren. Die Rückfahrt kostet dann extra. Wer es mit einer Kurzstrecke schafft, kommt noch glimpflich davon. Der Preis bleibt mit 1,20 Euro je Richtung unverändert – wie die übrigen Einzelfahrscheine und Tageskarten. Beim „neuen“ Einzelfahrschein dagegen steigt der Preis für Hin- und Rückfahrt von 2,20 Euro auf dann 4 Euro. „Eine wirkliche Verschlechterung“, geben auch die Planer zu. Doch für fast 90 Prozent der Kunden werde es pro Einzelfahrt billiger. Noch teurer wird es für diejenigen, die einen Hund dabei haben. Für ihn müssen 1,40 Euro gezahlt werden; wenn Herrchen eine Zeitkarte hat, darf der Hund weiter gratis mit.

Zu hoch fällt nach Ansicht der IGEB auch der Preisanstieg bei den Monats- und Schülerkarten aus. Schüler müssen 8,3 Prozent mehr zahlen; Geschwister sollen mit 6,25 Prozent dabei sein. Hier versucht Verkehrssenator Peter Strieder (SPD) aber noch, einen Verzicht auf die Erhöhung durchzusetzen. Michael Cramer von den Grünen fordert zumindest für die Schüler der Oberstufen ein Angebot wie beim Semesterticket für Studenten. Es kostet derzeit 109 Euro und künftig 115 Euro.

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