Fahrpreise in Berlin im Wandel : Ost und West: Bis 1996 gab’s zwei Fahrscheine

Im nächsten Jahr steigen in Berlin und Brandenburg wiederholt die Preise im Nahverkehr. Wir haben mal nachgeschaut, was die Tickets vor der Deutschen Einheit gekostet haben.

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Er hat gut lachen. Der Sozialdemokrat Andreas Geisel hat auf sozialverträgliche Tarife für Bus und Bahn zu achten. Als Verkehrssenator ist er wiederum auf ausreichend Geld für Bus- und Bahnverkehr angewiesen.
Er hat gut lachen. Der Sozialdemokrat Andreas Geisel hat auf sozialverträgliche Tarife für Bus und Bahn zu achten. Als...Foto: imago/Bernd Friedel

MONATSKARTEN

Das wird wohl einmalig bleiben: 1989 senkte der damalige rot-grüne Senat den Preis der BVG-Monatskarte in West-Berlin von umgerechnet 51 Euro auf nur noch 33 Euro. Dies war zuvor eine zentrale Forderung der damaligen Alternativen Liste im Wahlkampf. Ziel war es, durch die Preissenkung vor allem mehr Autofahrer zum Umsteigen auf den öffentlichen Nahverkehr zu bewegen. Und tatsächlich kauften sich nicht wenige Autofahrer eine solche Umweltkarte, weil sie sich schon nach wenigen Fahrten lohnte. Das Experiment konnte jedoch nicht zu Ende geführt werden, denn schon wenige Wochen nach der Preissenkung fiel die Mauer – und die Bahnen und Busse waren durch die Ost-Berliner rappelvoll, die damals sogar noch gratis fahren durften. Die Auswirkungen der Preissenkung waren dadurch verpufft. An eine Wiederholung einer solchen Preisreduzierung denkt derzeit niemand. Allerdings hat die Opposition vorgeschlagen, den Nahverkehr durch eine Abgabe von allen Berlinern zu finanzieren.

OST-WEST-KARTEN

Obwohl die Ost-Berliner auch nach der Einheit sogar bis 1996 ihre Fahrkarten günstiger kaufen konnten als die Fahrgäste im Westen – entscheidend war für die Fahrscheinkontrolleure, welche Adresse auf dem Personalausweis stand –, nahm im Ostteil vor allem der Autoverkehr zu. Seit 1996 steigen nun die Preise für die Fahrkarten einheitlich in der gesamten Stadt.

EINZELFAHRSCHEIN

Auch der Einzelfahrschein wurde in den vergangenen Jahren erheblich teurer. Im Jahr 1991 kostete er noch umgerechnet 1,50 Euro, jetzt sind im Stadtgebiet 2,70 Euro fällig – 80 Prozent mehr als damals. Fast doppelt so viel wie zuvor mussten Fahrgäste von 2004 an auf einen Schlag zahlen, die innerhalb von zwei Stunden hin und zurück fahren wollten. Seither gilt das Ticket nur noch für die Fahrt innerhalb von zwei Stunden in eine Richtung; für die Rückfahrt muss nun ein zweites gekauft werden. Dass der Preis damals von 2,20 Euro auf 2 Euro gesenkt worden war, blieb nur ein schwacher Trost. Und der Fahrpreis in eine Fahrtrichtung ist inzwischen ja auch wieder kräftig gestiegen.

Informieren Sie sich hier über die Ticketpreise für das kommende Jahr.

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