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Problem Gehweg-Radler : "Holt die Kinder möglichst früh auf die Straße!"

26.08.2012 13:11 Uhrvon , Philipp Stute
Vorsicht, kleiner Engel unterwegs in Prenzlauer Berg. Foto: Ida Asplund ÅdahlBild vergrößern
Vorsicht, kleiner Engel unterwegs in Prenzlauer Berg. - Foto: Ida Asplund Ådahl

Vor Schulen gibt es immer wieder Zoff um Eltern, die ihre Kinder zur Schule begleiten - mit dem Rad auf dem Bürgersteig. Erwachsene müssten auf der Straße fahren, von dort sehen sie aber den Nachwuchs nicht. Ein Problem - für Passanten und Polizei.

Über dieses Ordnungsgeld haben sich die Eltern aus Lichterfelde so richtig geärgert. Und deshalb haben Peter Ahr und Gesine Peetsch dem Innensenator einen Brief geschrieben, dem Schulsenator ebenfalls und auch dem Verkehrssenator. Post haben auch alle Parteien erhalten, die Polizei sowieso und auch die Landeselternvertretung und viele mehr. Was geschehen ist?

Das hier: Ein Polizist hatte die Eltern angehalten und zur Kasse gebeten. Sie waren nämlich als Radfahrer auf dem Bürgersteig unterwegs – neben ihren radelnden Kindern: Zwillinge, sieben Jahre alt. Dabei sei es um die Sicherheit der Kinder auf dem Gehweg gegangen, sagen die Eltern, von der Straße aus hätten sie die beiden Siebenjährigen nun mal nicht hinter den parkenden Autos sehen können.

Und deshalb fordern sie eine Änderung des Gesetzes, die ihnen die Begleitung erlaubt.

Die Sicherheit der Kinder im Straßenverkehr ist gerade in diesen Tagen wieder ein großes Thema, da die Ferien vorbei sind und mehr als 25 000 Erstklässler auf dem Weg zur Schule sind. Die Polizei hat in den vergangenen Wochen tausende Autofahrer vor Schulen geblitzt, ermahnt, gestoppt. Und an manchen Orten zeigen die Eltern Initiative, wie am gestrigen Sonnabend in Pankow. Dort haben hunderte Kinder und Eltern der Privatschule „Schule Eins“ und der Montessori-Schule für einen „sicheren Schulweg!“ demonstriert. Die „Schule Eins“ liegt an der Berliner Straße, die Montessori-Schule an der einmündenden Hadlichstraße. Kein Zebrastreifen weit und breit, keine Fußgängerampel, keine Kurzparkplätze für Eltern, die ihre Kinder bringen, keine sicheren Geh- und Fahrradwege – ein „Verkehrstrauerspiel“ nennen sie das und führten es auch gleich als ein kleines Theaterspiel auf. Eltern mit dem Fahrrad auf dem Gehweg, die ihren radelnden Nachwuchs begleiten wollen, sind Teil des Problems: Gefährdung für die einen, Fürsorge für die anderen.

Bildergalerie: Berlins schlechteste Radwege

Inge Hirschmann, Direktorin der Heinrich-Zille-Grundschule in Kreuzberg, kennt das Problem. „Viele unserer Kinder kommen mit dem Fahrrad“, sagt Hirschmann. Wenn die Eltern ihre Kinder mit dem Fahrrad auf dem Bürgersteig begleiten würden, kämen sie sich aber nun mal mit Passanten in die Quere. „Das ist ein Dilemma“, sagt die Schulleiterin.

Peter Schulz, 47, ist mit seinen Söhnen Ben, 7, und Bela, 4, in der Waldemarstraße in Kreuzberg unterwegs. Während Bela vorne beim Vater auf dem Rad sitzt, fährt Ben schon selbst. „Ich fahre immer auf dem Fußweg, wenn ich mit den Kindern unterwegs bin“, sagt Schulz. „Wenn ich auf der Straße fahre, sehe ich meinen Sohn auf dem Bürgersteig oft nicht, weil parkende Autos dazwischen sind.“ Seinen Sohn alleine fahren zu lassen, kommt für Schulz nicht infrage. „Das ist zu gefährlich. Es kommen so oft plötzlich Autos aus irgendwelchen Ausfahrten.“ Auch Schulz wurde mit dem Rad auf dem Gehweg schon von der Polizei angehalten. Ein Bußgeld musste er aber nicht zahlen. Er habe dem Polizisten erklärt, dass er sein Kind begleite, der habe dann von einer Verwarnung abgesehen. Dagegen wird Zora Gallenberger, 30, die ihre Tochter morgens mit dem Rad zur Schule in Kreuzberg bringt, „immer wieder von Fußgängern angemotzt“.

Bildergalerie: Berlin fährt Rad

Viel Streit um eine gesetzliche Regelung, die eigentlich klar geregelt ist: Kinder bis zum Alter von acht Jahren müssen grundsätzlich mit dem Fahrrad auf dem Gehweg fahren – sie dürfen nicht auf der Straße radeln. Außerdem müssen sie beim Kreuzen einer Fahrbahn vom Rad steigen. Erst vom achten Lebensjahr an dürfen Kinder auf der Straße fahren, sie dürfen aber zwei weitere Jahre auch auf dem Bürgersteig radeln. Dagegen dürfen Erwachsene grundsätzlich nicht mit dem Fahrrad auf dem Gehweg fahren. Ein Problem wird es vor allem dann, wenn sie mit radelnden Kleinkindern unterwegs sind – denn die müssen von ihren Eltern begleitet werden. „Realitätsfremd“ nennen viele Eltern deshalb die Regel.

Was halten Sie von der Entscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH), dass bei unverschuldeten Unfällen Radfahrer ohne Schutzhelm Anspruch auf vollen Schadenersatz haben?

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