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Fall Elias und Mohamed : Zweiter Prozesstag: Silvio S. schweigt weiterhin

Im Verfahren gegen Silvio S. kamen am Montag Zeugen zu Wort, die den Angeklagten im Alltag erlebt haben. Wer ist Silvio S.? Eine zähe Suche nach Antworten.

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Justizbeamte bringen Silvio S. in den Saal des Landgerichtes.
Justizbeamte bringen Silvio S. in den Saal des Landgerichtes.Foto: Bernd Settnik/dpa

Die Appelle von Richter Theodor Horstkötter an den mutmaßlichen Kindermörder Silvio S., endlich sein Schweigen zu brechen, sind bisher ergebnislos geblieben. Auch am Montag, dem zweiten Prozesstag am Potsdamer Landgericht, äußerte sich der Angeklagte nicht. Dabei hatte Horstkötter sich gleich zu Beginn erneut an den 33-Jährigen gewandt, sich speziell zu den Umständen der Tötung des sechsjährigen Elias aus Potsdam zu äußern. Bereits zum Auftakt des Verfahrens vergangene Woche hatte der Richter dem Angeklagten ins Gewissen geredet: Die Eltern der mutmaßlich von ihm getöteten Kinder hätten einen Anspruch darauf, zu erfahren, was passiert ist. „Es gibt nur einen, der das weiß.“

Der Verteidiger von S., Mathias Noll, schloss eine Aussage erneut zumindest nicht aus. Vielleicht könne Bildmaterial der Rechtsmedizin für die Aussage hilfreich sein, sagte der Jurist – die auf einer CD gespeicherten Bilder von der Obduktion des Leichnams von Elias wurden am Ende des Verhandlungstages ohne weiteren Kommentar an die beiden Anwälte von S. übergeben.

Ruhig, zurückhaltend, schüchtern

Zuvor waren rund fünf Stunden lang Zeugen vernommen worden, die über die Persönlichkeit des Angeklagten aussagen sollten. Doch wichtige neue Erkenntnisse gab es dabei nicht. Silvio S. wird dabei vorgeworfen, im vergangenen Jahr nacheinander die beiden Jungen Elias und Mohamed entführt und umgebracht zu haben. Der vierjährige Mohamed wurde laut Anklage von ihm missbraucht. Bei Elias soll der Wachmann dies zumindest versucht haben.

Ruhig, zurückhaltend, schüchtern und verschlossen sei er gewesen, schilderte einer der offenbar wenigen Freunde des Angeklagten, der aus dem Dorf Kaltenborn bei Niedergörsdorf (Teltow-Fläming) stammt. Der 30 Jahre alte KFZ-Meister Martin K. hatte mit S. und anderen Freunden vor fünf Jahren eine Auto-Werkstatt eröffnet, dort trafen sie sich ein-, zweimal die Woche – zum Schrauben, Computer spielen oder You-Tube-Videos gucken. Pornofilme habe man aber nicht angesehen, so K. auf Nachfrage. Generell habe Silvio S. nie über Sex gesprochen: „Von seiner Seite kam da gar nichts.“

Jedoch habe der Angeklagte versucht, im Internet über ein Dating-Portal Frauen kennenzulernen. „Er fragte mich, was er so schreiben könnte“, so K. – bei S. habe es nur für ein „Hallo“ gereicht. „Mehr kam da nicht.“ Einmal sei man zusammen in eine Potsdamer Diskothek gegangen. Doch auch da habe sich S. sehr ruhig verhalten, „er stand in der Ecke“. Vor etwa fünf Jahren habe S. auch für ein Mädchen aus dem Dorf geschwärmt, so K. – doch dabei blieb es offenbar auch.

Ein verschlossener Einzelgänger

Auch die Vorgesetzten von Wachmann S. konnten nur wenig zur Erhellung beitragen. Ein eher verschlossener Einzelgänger sei er gewesen, so sein Abteilungsleiter. Ebenso wurde der frühere Chef der Kleingartensparte in Luckenwalde vernommen, in der Silvio S. den Leichnam von Elias auf einem gepachteten Grundstück unter einem zugeschütteten Gartenteich vergraben hatte.

Mehrfach habe sich der Angeklagte nicht an Regeln gehalten, sagte Kleingärtner Jürgen K. – so sei das Gelände verwildert gewesen. Bei seinen seltenen Besuchen habe sich S. sehr ruhig verhalten. Zwei andere Gartennachbarn bezeichneten S. als unnahbar. Er habe einen depressiven Eindruck gemacht, sagte eine 61-Jährige.



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