Berlin : Fanmeile an der Siegessäule – die Polizei ist erleichtert

Senat verabschiedet sich von WM-Park im Spreebogen – jetzt wird neu geplant Straße des 17. Juni von Großer Stern bis Brandenburger Tor vier Wochen dicht

Jörn Hasselmann,Christian van Lessen

Zur Fußball-WM im Juni werden vermutlich Hunderttausende Fans über die Straße des 17. Juni flanieren können. Der Senat hat zwar nach Auskunft seines Sprechers Günter Kolodziej „noch keine definitive Entscheidung“ für die Fanmeile getroffen. Aber alles deutet daraufhin, dass die Meile – wie zunächst auch geplant – zwischen Siegessäule und Brandenburger Tor aufgebaut wird. Der „Spreebogenpark“ wäre damit aus dem Rennen.

Der Senat und das Bezirksamt hatten am runden Tisch noch einmal über den Spreebogenpark als Fanmeile diskutiert – etwa über Sicherheit und Verkehrsanbindung. Die Grünfläche zwischen Reichstag und Kanzleramt sei nicht geeignet, hieß es. „Nicht begeistert“ seien ohnehin die Fifa und Sponsoren gewesen, die sich mehr von einer Lage zwischen Siegessäule und Brandenburger Tor versprächen. Eine Entscheidung für die Straße des 17. Juni bedeute aber auch, dass es wochenlang Verkehrsprobleme gebe und Schwierigkeiten, Staatsgäste und Prominente schnell ins Stadion zu bekommen. Verkehrsfragen werde man jetzt noch einmal sorgfältig prüfen und „zeitnah“ eine Entscheidung treffen, sagte Kolodziej. „Wir haben leider keinen richtigen zentralen Platz.“ Die Sprecherin der Verkehrsverwaltung, Manuela Damianakis, sprach von einer „großen Herausforderung“, die nicht ohne Murren der Autofahrer zu bewältigen sei.

Erleichtert ist die Polizei. Sie hatte aus Sicherheitsbedenken immer für die Straße des 17. Juni plädiert. „Dort kennen wir jede Laterne“, sagte ein hochrangiger Beamter, schließlich feierten dort bei Love Parade oder Silvesterfeiern schon häufig Hunderttausende Menschen. Bei Massenpanik können diese gefahrlos in den Tiergarten flüchten – am Spreebogen würden sie in den Fluss oder von bis zu 5,5 Meter hohen Betonmauern stürzen – , oder sie werden von nachströmenden Menschen gegen massive Stahlgitter gedrückt. Zudem ist dort nach Berechnung der Polizei nur Platz für 15000 Fans. In internen Szenarien der Feuerwehr war sogar die Stationierung eines Löschbootes vorgesehen, um Fans aus dem Wasser zu retten. Am Montag hatte die CDU deshalb im Innenausschuss den Ort als „absolut unsinnig“ kritisiert. Auch Innensenator Ehrhart Körting (SPD) sah beim Spreebogen „viele offene Fragen“.

Ein Verkehrsproblem sieht die Polizei bei der Straße des 17. Juni nicht – solange der Große Stern frei bleibt. Er gilt als wichtigster Knotenpunkt bei Staatsbesuchen. In den vergangenen Jahren war die Straße des 17. Juni sehr häufig gesperrt gewesen, teilweise wochenlang. Wichtiger sei, dass der Tiergartentunnel bis zur WM fertig sei, hieß es. Wie berichtet, verzögert sich die Eröffnung wegen technischer Probleme seit Monaten.

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