Berlin : Fast drei Wochen Trockenheit

HANS TOEPPEN

Bäume werfen Blätter ab: Einige Eimer Wasser können helfenVON HANS TOEPPEN BERLIN.Am 6.August hat es das letzte Mal in Berlin geregnet.Das subtropische Klima erheitert ja fast alle Kinder und alle Leute mit stabilem Kreislauf.Andere stöhnen zunehmend unter der Hitze.Und auch die Pflanzen würden jetzt hecheln, wenn sie könnten: Die gestreßten Bäume an den Berliner Straßen haben längst damit begonnen, vorzeitig Blätter abzuwerfen - eine Notwehraktion gegen die Trockenheit. Wer ihnen helfen will, sollte jetzt Eimer schleppen und die Bäume mit einem gründlichen Fußbad laben.Denn natürliche Besserung ist vorerst nicht in Sicht.Auch am Wochenende und in den folgenden Tagen wird es brüh-heiß sein in Berlin.Nur kalte Duschen helfen da Menschen, Tieren und Pflanzen.Bei den Wasserbetrieben gehen die Produktionszahlen schon seit Wochen in die Höhe. Anfang August lag die Jahresförderung noch fast drei Prozent unter der des Vorjahrs.Da die Gärtner und die Schwimmbäder aber seit Wochen die Hähne aufdrehen, ist das Defizit stark geschrumpft, und mit dem Ende der Urlaubszeit wird es immer kleiner.Am Donnerstag hatten die durstigen August-Wochen die Differenz zum Vorjahr schon auf 1,3 Prozent sinken lassen.Seit zehn Tagen gibt es keine Tagesproduktion unter 725 000 Kubikmeter Wasser mehr in der Stadt.Mitte dieser Woche lag sie bei 909 000, über 250 000 Kubikmeter mehr als im Jahresdurchschnitt. "Alle Rasensprenger laufen schließlich, was das Zeug hält", sagt Stephan Natz bei den Wasserbetrieben.Dabei ist das Gras nun wirklich nicht die bedürftigste Pflanze in diesen Zeiten.Was oben gelb wird, erholt sich schon wieder."Viel wichtiger sind Stauden und junge Bäume", sagt Martin Kleinlosen im Treptower Grünflächenamt, "unsere Leute sind nur noch mit dem Wässern beschäftigt." Das Personal reicht gerade aus, die empfindlichen jungen Bäume vor dem Verdursten zu retten. Ähnlich sieht es in Tiergarten aus: "Unser Problem sind in erster Linie die jungen Bäume", sagt der Leitende Baudirektor Johann Schilcher.Der Tiergarten selbst leidet weniger Durst.Er hat sein eigenes Bewässerungssystem, das vom Landwehrkanal gespeist wird. Und eher paradiesisch geht es in den Kleingärten zu.Daß die Rhododendren vor lauter Hitze und Entbehrung ihre Blätter zusammenkringeln, ist die pure Ausnahme.Hier läuft das Wasser, was die Rohre hergeben, und die Rosen und der Phlox stehen in feuriger Blüte.Phlox heißt schließlich "Flamme".Auch ein besonderer Sonnenliebhaber errötet inzwischen aufs Schönste: In Gärten und auf Balkons reifen die Tomaten, als hingen sie in Spanien. Wasser ist aber nicht zu jeder Tageszeit sinnvoll.Nur am frühen Morgen oder abends kann der Boden sich so vollsaugen, wie die Stauden das brauchen.Und gründlich muß es sein, sagt der Chef des Pflanzenschutzamtes Holger-Ulrich Schmidt.Das ist wie bei den Menschen: Ein paar Tropfen ins Gesicht helfen wenig.Für den ganzen August fehlen noch 56 Liter Regen.Das sind fünfeinhalb Eimer auf jeden Quadratmeter Berliner Bodens.

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