Fast versemmelt : Fortsetzung von Thierse und den Schwaben

Na also, es geht doch! Auch wenn Wolfgang Thierse beim Berliner Bäcker lieber Schrippen statt Wecken kaufen möchte, zeigt er Schwäbisch-Kompetenz und besteht den ARD-Schwaben-Test.

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Nach der Schwaben-Schelte zeigt sich Thierse nun als Schwaben-Kenner und besteht den ARD-Schwaben-Test.
Nach der Schwaben-Schelte zeigt sich Thierse nun als Schwaben-Kenner und besteht den ARD-Schwaben-Test.Foto: Kitty Kleits-Heinrich

Nach all der Schwabenschelte für Wolfgang Thierse, nach all dem Gezerre um Weckle oder Schrippen hat der Bundestagsvizepräsident in der TV-Hausfrauensendung „ARD-Buffet“ einen aus ganz Baden-Württemberg nicht wegzudenkenden Mundart-Begriff richtig übersetzt. Für alle hiesigen Ureinwohner, die’s nicht gesehen haben, es aber wissen wollen, falls der Prenzlauer Berger Bäcker nächstes Mal wieder nicht Hochdeutsch spricht: Was bedeutet der schwäbische Ausdruck „Gugg“?

Na? Nein, nicht gucken, das schreibt man ja mit ck, obwohl der Schwabe es mit zwei g spricht. Zur Erleichterung vier mögliche Lösungen, die auch Thierse zur Wahl hatte, nachdem Metzger, pardon: Fleischer, Karl-Heinz Mutschler aus Zainingen direkt von der Schwäbischen Alb herab den Tipp gegeben hatte, seine Kundschaft brauche den gesuchten Begriff, um die bei ihm gekaufte Bioware abzutransportieren: a)Korb, b)Auto, c)Tüte, d)Plastikfolie.

Woher Berliner Begriffe wirklich kommen
Lieber Wolfgang Thierse, auch wenn Sie gerade auf dem Weg zur Maloche sind, so viel Zeit muss sein: für eine kleine Berliner Wörterkunde! Gerade Malochen, beliebt in Berlin und im Ruhrgebiet, kommt eigentlich vom jüdischen malacha, der "Schwerstarbeit". Und wenn Sie was in die Schrippe (kommt vom norddeutschen schrappen, "kratzen" oder "aufreißen") packen wollen, dann...Alle Bilder anzeigen
1 von 8Foto: dpa
02.01.2013 15:32Lieber Wolfgang Thierse, auch wenn Sie gerade auf dem Weg zur Maloche sind, so viel Zeit muss sein: für eine kleine Berliner...

Na, dämmert’s? Beinahe hätte der Gralshüter der Berliner Mundart es versemmelt. Er tippte nach zwei tiefen Seufzern und einem zögernden „eieiei!“ zunächst auf „Plastikfolie“, schwenkte aber um, kaum hatte der Moderator zweifelnd geguckt (schwäbisch: guggt). „Dann nehm’ ich aber doch lieber Tüte.“

Richtig!!! Und das, ohne auch nur den Versuch, einen seiner beiden schwäbischen Büro-Mitarbeiter als Telefonjoker einzusetzen. „Da hab’ ich aber Glück gehabt“, sagte der Proband echt erleichtert, nicht ohne klarzustellen, dass er seinerzeit ja doch nur gescherzt, also ein Witzle gemacht habe und lediglich wolle, dass der Berliner Dialekt neben Schwäbisch, Bayrisch, Hessisch undsoweiter noch eine Chance hat.

Jetzt bloß keine falsche Bescheidenheit, Thierse! Ihre wahre Leistung war doch, dass Sie glaubhaft versichern konnten, den im Einspieler minutenlang tiefstes Älblerschwäbisch schwätzenden Metzgermeister tadellos verstanden zu haben. Achtung, Kostprobe: „Au’s Floisch isch so guat, dia Leit kaufat so vill ei, dia kennat’s gar et mit dr Haad traa. Denne muaß i jed’s Mol a Gugg gea, dasses nei do kennat. Ond etzt benne mol gschbannt...“ Die gute Nachricht für Berliner Schwaben ist, nach des Rätsels Lösung, eine schlechte für daheim gebliebene Baden-Württemberger: Thierse könnte auch im Ländle problemlos überleben.

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