Berlin : Fastfood im Porzellanladen

Der Berlin-Pavillon soll zum Burger-King-Restaurant werden – mit Drive-in und Parkplatz

Stefan Jacobs

Noch kann man im denkmalgeschützten Berlin-Pavillon am Bahnhof Tiergarten edles Porzellan kaufen, aber nichts Essbares. Bald könnte es umgekehrt sein: Dann soll es etwas zu essen geben – aber ohne Porzellan, sondern mit Raschelpapier und Pappnäpfen. „Burger King“ will in dem Pavillon ein Fast-Food-Restaurant samt Parkplatz und Drive-in eröffnen. Das Landesdenkmalamt hat den Plänen bereits zugestimmt, aber der Bezirk will die Frittenschmiede am Rande der – ebenfalls denkmalgeschützten – Grünanlage des Großen Tiergartens verhindern.

Ende August hat der landeseigene Liegenschaftsfonds das Gebäude an der Straße des 17. Juni versilbert, in dem zurzeit die Königliche Porzellanmanufaktur (KPM) ihr weißes Gold verkauft. Die von Bezirk und Land gemeinsam erarbeitete Ausschreibung habe keine Parkplätze in der geschützten Grünanlage ringsum zugelassen, sagt Mittes Stadtentwicklungsstadträtin Dorothee Dubrau (Grüne). Trotzdem bekam Burger King – als einer von sieben Interessenten – den Zuschlag vom Land. Darüber kann sich Stadträtin Dubrau nur wundern. Ihr Bezirksamt würde nach aktuellem Stand sowohl das Restaurant als auch die Zufahrt genehmigen, nicht aber den von Burger King geplanten Umbau zum Drive-in und den Parkplatz.

Wenn es beim Nein bleibt, könnte die Fastfood-Kette Widerspruch einlegen. Denkbar wäre auch, dass die Senatsbauverwaltung von Peter Strieder (SPD) die besondere „gesamtstädtische Bedeutung“ des Vorhabens erklärt, um sich über das Veto des Bezirkes hinwegzusetzen. In diesem Fall müssten jedoch entweder der Rat der Bürgermeister oder das Abgeordnetenhaus zustimmen, sagte Dorothee Dubrau.

In Strieders Pressestelle hieß es gestern knapp, man habe mit der Angelegenheit nichts zu tun, seit „der Liegenschaftsfonds das Ding verhökert“ habe. Noch wortkarger gab sich Burger King: Die Pressestelle wollte nicht einmal den Ankauf des Objektes bestätigen, sprach von einem „Gerücht“ und einer „internen Sache“.

Nicht nur dem Bezirk wäre es am liebsten, wenn in dem 1957 zur Internationalen Bauausstellung errichteten Pavillon alles beim Alten bliebe: Auch die finanziell angeschlagene KPM würde ihr Porzellan gern weiter in dem gläsernen Bau verkaufen, in dem einst Berliner Stadtentwicklung ausgestellt wurde. „Der Standort hat sich als erfolgreich erwiesen“, hieß es. Im Juli läuft der Nutzungsvertrag der KPM aus. Die Manufaktur würde gern länger bleiben, falls sich der Einzug von Burger King verzögert.

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