Berlin : FDP streitet über ihren Chef Löning

Werner van Bebber

Unmut über Trennung von Parteimanager hält an

Nur auf den ersten Blick ist alles klar: FDP-Landesgeschäftsführer Horst Krumpen hört zum Jahresende auf, bis dahin hat er Urlaub. Der Mann, um dessen Job es große Aufregung in der Berliner FDP gibt, hat sich mit dem Landesvorsitzenden Markus Löning „geeinigt“, wie es heißt. Krumpen hat den Wahlkampf gemanagt, die FDP holte unter nicht ganz leichten Bedingungen 7,6 Prozent – jetzt soll er gehen, nach außen hin ohne großen Streit.

Auf den zweiten Blick könnte der Ärger jetzt erst richtig losgehen. In zwei Gremien und an zwei Abenden wird Löning in der kommenden Woche den kühlen Abschied von Krumpen begründen müssen. Der Landesvorstand am Dienstag und der 84 Mitglieder zählende Landesausschuss am Mittwoch wollen aufgeklärt werden über die Umstände, die zur Neubesetzung des Geschäftsführerpostens geführt haben. Seit Tagen kursiert der Name Sibylle Meister im Zusammenhang mit der Neubesetzung der Stelle. Die Noch-Abgeordnete aus Reinickendorf hat den Einzug ins 16. Abgeordnetenhaus nicht geschafft. Jetzt denken viele in der Partei, hier solle jemand versorgt werden.

Meister sagt zu der Personalie verständlicherweise nichts. Löning will Personalangelegenheiten auch nicht kommentieren, bevor sie im Landesvorstand erörtert worden sind. Und obwohl keiner was sagen will, kann oder darf, rumort es beträchtlich in der FDP. Es ist die Art von Lärm, die einem Landesvorsitzenden Kopfschmerzen machen kann.

Aus dem Landesausschuss ist zu hören, dass Löning durchaus mit einem Antrag auf Missbilligung rechnen müsse. Noch hat den Antrag keiner gesehen, aber eine Reihe von Leuten kennt den Inhalt des Papiers. Und selbst wenn das Papier gar nicht zum Antrag werden sollte, ist das Gerede darüber in der Partei Ausdruck wachsenden Ärgers über Löning. So weit war es mit dem Landeschef noch nie seit seiner Wahl 2004: Dass Parteifreunde halblaut – also ernsthaft, aber nicht namentlich zitierfähig – an ihm herumkritisieren. Von den Jungliberalen bis ins Abgeordnetenhaus sind einschlägige Kommentare zu hören. Der Unmut hat viel mit Lönings Verhalten gegenüber Krumpen zu tun. So gehe man nicht mit Leuten um, ist zu hören. Neuerdings kommt grundlegende Kritik an Lönings Fähigkeit zum Krisenmanagement hinzu. Die Berliner FDP, wie wenige andere Parteien zu personellen Querelen fähig und stets bereit, hat regelmäßig mit Personalien zu tun, die dann die Schiedsgerichte beschäftigen – und jetzt finden manche, Löning brauche jedes Mal zu lang, um die Krisen zu managen. „Es liegt schon ein bisschen was im Argen“, heißt es.

Die Unzufriedenheit mit dem Landeschef könnte dazu führen, dass ihm Vorgaben für die Neubesetzung der Geschäftsführerstelle gemacht werden. Löning sagt nur, er wolle den Posten „ausschreiben“. Das hat Fraktionschef Martin Lindner vergangene Woche schon empfohlen. Darüber hinaus könnten die Parteifreunde dem Landeschef finanzielle Grenzen setzen, damit der neue Landesgeschäftsführer nicht erheblich teurer wird als der alte. Zumal der ja gar nicht gehen wollte.

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