Berlin : "Februar 2001": Plastiksoldaten auf Entdeckungstour

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Gleich am Eingang steht ein rechteckiges Möbelstück aus Holz auf einem blauen Teppich. Es sieht aus wie ein großes Bett, kniehoch. Die Seiten sind mit dem gleichen blauen Teppich bezogen, der auch den Boden bedeckt. In der Mitte hat das Bett eine runde Öffnung. Der Besucher kann hineingehen und sich auf den blauen Teppich setzen, vor den Fernseher, der am Rand steht.

Das große Bett ist ein Kunstwerk, und es ist eine der Neuerwerbungen, die die Kunstsammlung des DaimlerChrysler-Konzerns ab heute unter dem Titel "Februar 2001" am Potsdamer Platz präsentiert. "A-Z Pit Bed" lautet der Titel des Möbels. Die in New York lebende Künstlerin Andrea Zittel hat eine ganze Serie solcher Möbelstücke entwickelt. Den Anstoß dazu gab ihre enge New Yorker Wohnung - sie entwickelte maßgeschneiderte Entwürfe, benutzbare Kunstwerke.

Auf dem Fernseher am Rand des Bettes ist ein weiteres Kunstobjekt zu sehen: "Carmen 1", ein Videofilm aus einer fünf Filme umfassenden Serie von Kirsten Mosher, die ebenfalls in New York lebt. "Carmen", Auto Männer, heißt die Serie, weil die Künstlerin kleine batteriebetriebene Plastiksoldaten mit einer Autosilhouette tarnt und auf die Reise schickt.

Die Plastiksoldaten kriechen mit ruckartigen Bewegungen über viel befahrene Kreuzungen, Highways, um ein Lagerfeuer im Wald, oder sie stürzen an Fallschirmen von Hochhäusern herab auf die Straße. Was ihnen unterwegs passiert, dokumentiert die Künstlerin auf Video. Die Ausflüge enden allesamt mit der Zerstörung der Plastikmännchen. Sie werden überfahren, verbrennen oder werden plattgetreten.

Insgesamt stellt die kleine Ausstellung im Weinhaus Huth 30 Werke deutscher und internationaler Künstler vor. Die Gemälde, Fotografien, Skulpturen und Videofilme sind alle in den letzten zehn Jahren entstanden.

"Februar 2001" ist die erste Ausstellung, die die neue Leiterin der Abteilung Kunstbesitz bei DaimlerChrysler, Renate Wiehager, konzipiert hat. Sie will die Sammlung künftig verstärkt um Arbeiten junger Künstler erweitern. Schwerpunkte sollen dabei unter anderem Fotografie, Videokunst und neue Medien sein. Für den Sommer plant sie am Potsdamer Platz eine Ausstellung zur Medienkunst.

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