Berlin : Feiern und Fahren

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VON TAG ZU TAG

Von David Ensikat

Irgendwann müssen sich ein paar Preisträger auf dem Marx-Engels-Platz verirrt haben. Das war wohl der Grund, weshalb die Partei- und Staatsführung der DDR an Tagen der Nationalpreisverleihung einen Buspendelverkehr zwischen Palast der Republik und Staatsratsgebäude einrichten ließ. Im Palast fand vor der Verleihung ein Empfang mit Schnittchen und Sektchen statt, dann fuhren die Auszuzeichnenden in den Bussen zum 150 Meter entfernten Staatsratsgebäude herüber. Dort wartete Erich mit den Preisen.

Alles olle Kamellen. Fragt ja keiner mehr nach. Erich gibts nicht mehr, zum DDR-Nationalpreis wurde schon lange keiner mehr vorgeschlagen, der Palast wird abgerissen. Und Hans Eichel hat sich nun dazu durchgerungen, auch noch das Staatsratsgebäude herzugeben. Da soll eine Elite-Hochschule rein.

Eine Elite-Hochschule? Mensch, da wird’s doch jedes Jahr Spitzenabsolventen mit lustigen schwarzen Hüten geben. Denen muss man ihre Spitzenurkunden überreichen, feierlich und würdevoll, im Kreise aller Angehörigen. Für so eine Riesenschaffe wird das Gebäude, in das gerade mal ein Staatsrat hineingepasst hat, kaum ausreichen. Das Schloss daneben? Gute Idee, das wird ja auch größer, als es der Palast war, da wäre der Weg hinüber nicht mehr so weit. Aber hat auch jemand eine Idee, wann das Schloss wohl fertig sein mag? Für die ersten Jahre muss man sich da was anderes, weiter entferntes suchen. Jede Wette, dass man ohne Pendelbusse nicht auskommen wird. Von der DDR lernen heißt Feiern lernen.

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