Berlin : Feierstunde mit Wermutstropfen

Ab Sonnabend ist der Schüterhof im Zeughaus wieder für Besucher geöffnet – nur die Ausstellung fehlt noch

Volker Eckert

Noch ein langes Jahr muss Zeughaus-Direktor Hans Ottomeyer warten, bis der Barockbau Unter den Linden wieder zum Geschichtsmuseum wird, doch gestern war er zum Scherzen aufgelegt: „Die Dauerausstellung, die dann dort zu sehen sein wird, heißt so, weil es ein bisschen länger dauert bis sie fertig ist.“ Der Grund für Ottomeyers gute Laune: Der Schlüterhof im Herzen des Baus ist wieder eröffnet, ab Sonnabend um 10 Uhr können die Besucher des Hauses durch ihn hindurch zum benachbarten Pei-Bau gelangen. Der Eintritt beträgt zwei Euro.

Kultur-Staatsministerin Christina Weiss bestaunte bereits gestern Abend den Schlüterhof, „einen der schönsten Höfe Berlins“, wie sie sagte. Und mit ihr kamen noch weitere Gäste. Während draußen die Luft wieder etwas frischer wurde, hielt das Glasdach im Innenhof die Wärme, die sich hier unter der Sonne des Tages gebildet hatte. Die Öffnung des Schlüterhofes sieht Christina Weiss als Schlusspunkt der wichtigsten Umbauphase in der 300-jährigen Geschichte des Hauses. Für die Zukunft wünscht sie sich hier kein Nationalmuseum, sondern ein „offenes Haus, in dem unterschiedliche Sichtweisen Platz haben“.

Bis dahin müssen sich die Museumsbesucher allerdings mit Foyer und Innenhof begnügen. Dessen barocke Pracht wird ganz für sich wirken, lediglich ein paar Olivenbäume, die zurzeit noch ein bisschen mager aussehen, wie auch Hans Ottomeyer zugeben musste, und die vom Architekten Pei entworfenen Holzbänke ergänzen den quadratischen Raum. Ottomeyer versäumte es nicht, noch einmal auf die anfänglichen Probleme mit dem ebenfalls von Pei stammenden Glasdach anzuspielen. Das habe nämlich einen außergewöhnlichen Echoeffekt in der Halle ausgelöst, „den man gegen Geld hätte vorführen können“. Schließlich wurde eine Membran unter das gewölbte Dach gehängt, seitdem stimmt die Akustik. Ottomeyer weiß aber trotz der kleinen Panne, was er an dem Architekten hat: 400 000 Besucher in den ersten sechs Monaten. Damit könnte das Deutsche Historische Museum dem nahe gelegen Pergamonmuseum den Titel des bestbesuchten Hauses in der Stadt streitig machen. „Das Beispiel des Louvre zeigt, dass sich in einem Museum von Pei die Besucherzahlen verdoppeln“, so Ottomeyer.

Der Mann, der mit seinem stattlichen Bau und dem wallenden grauen Haar ein wenig an Helmut Markwort erinnert, entschuldigte sich fast für das lange Warten auf den Beginn der Ausstellung. Der Grund seien europaweite Ausschreibungen, die für jede Stellwand und jede Vitrine vorgeschrieben seien. Das Konzept der Ausstellung sei längst fertig. Nach den Erfahrungen vom Januar werden die Berliner aber schon den Schlüterhof mit großem Interesse in Augenschein nehmen. Damals kamen während der Öffnung für nur eine Woche 50 000 Menschen.

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