• Festnahme im Landkreis Märkisch-Oderland: Brandenburg dient Islamisten als Rückzugsraum

Festnahme im Landkreis Märkisch-Oderland : Brandenburg dient Islamisten als Rückzugsraum

In Berlins Umland steigt die Zahl der Islamisten und IS-Unterstützer. In Bliesdorf wurde am Donnerstag Hamza C. festgenommen, er soll einen Anschlag in Düsseldorf geplant haben.

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Aufgerüstet: Die in Brandenburg stationierte Bundespolizei-Einheit „BFE+“ unterstützt seit kurzem die Spezialeinheit GSG 9 im Anti-Terror-Kampf.
Aufgerüstet: Die in Brandenburg stationierte Bundespolizei-Einheit „BFE+“ unterstützt seit kurzem die Spezialeinheit GSG 9 im...Foto: dpa

Hamza C. ließ sich lange nicht blicken in Bliesdorf, einer Gemeinde mit knapp Tausend Einwohnern am Rande der Oderbruchs im Landkreis Märkisch-Oderland. Fünf Monate lang holte er sein Geld nicht ab und war offenbar untergetaucht. Am Mittwoch war er plötzlich wieder da, um sich in dem Flüchtlingsheim die Sozialleistungen auszahlen zu lassen. Am Donnerstagmorgen rückte dann das Spezialeinsatzkommando (SEK) der Brandenburger Polizei an. Die Beamten nahmen Hamza C. fest und flogen ihn mit einem Hubschrauber aus. Er steht unter Terrorverdacht. Die Bundesanwaltschaft verdächtig ihn und andere, Mitglied des IS zu sein.

Herkunft von Hamza C. ist ungeklärt

Die Bundesanwaltschaft geht bisher davon aus, dass Hamza C. (28) Syrer ist. Mitarbeiter bei der Ausländerbehörde des Landkreises Märkisch-Oderland bezweifeln das. Dort wird der Mann geführt unter „ungeklärter Herkunft“. Vermutet wird von der Behörde, dass er auch ein Palästinenser sein könnte. Hamza C. war im vergangenen Sommer nach Brandenburg gekommen. Er soll sich 2014 in Syrien dem IS angeschlossen haben, laut Bundesanwaltschaft erhielt er den Auftrag, einen Anschlag in Düsseldorf zu verüben. 2014 reiste er in die Türkei, von dort 2015 über Griechenland nach Deutschlands – als Flüchtling. Registriert wurde er erstmals am 31. Juli in der Zentralen Erstaufnahmestelle Brandenburgs in Eisenhüttenstadt. Die Behörden brachten ihn in Bliesdorf unter. Das Heim liegt am Randes eines Gewerbegebietes. 240 Asylbewerber, Syrer, Eriträer, Afghanen und Tschetschenen leben in dem Block, bis vor zwei Jahren wurden in dem Haus Maurer ausgebildet.

Verfassungsschutz beobachtete 2015 etwa 80 als gefährlich eingestufte Islamisten

Aus Brandenburgs Innenministerium hieß es, der Fall zeige, wie hoch und ernst zu nehmen die Bedrohung durch islamistischen Terroristen sei. Man müsse davon ausgehen, dass in Deutschland jederzeit, Anschläge verübt werden können. Aus Sicht der Sicherheitsbehörden dient Brandenburg mit der Nähe zu Berlin Islamisten als Rückzugsort und Ausgangspunkt zur Unterstützung oder Rekrutierung für den IS. Gegen 200 Islamisten wird ermittelt. Der Verfassungsschutz beobachtete im vergangenen Jahr etwa 80 als gefährlich eingestufte Islamisten – doppelt so viele wie im Jahr zuvor, Tendenz weiter steigend. Ebenso bei den sogenannten Gefährdern, denen Gewaltakte und Terroranschläge zugetraut werden. Ihr Zahl hat sich bis 2015 auf fast zehn verdoppelt. Bislang hatten die Ermittler aber vor allem Islamisten aus Tschetschenien und dem Nordkaukasus, die schon einige Jahre hier leben, im Visier.

Anfang 2015 war in einem  Potsdamer Asylheim ein 30-jähriger aus Dagestan festgenommen worden, er war gehörte zu einer islamistischen Logistikzelle in Berlin, die schwere staatsgefährdende Gewalttaten in Syrien vorbereitet haben soll. Ende März wurde ein syrischer Asylbewerber aus Potsdam-Mittelmark wegen Terrorverdachts festgenommen. Der 19-Jährige soll laut Bundesanwaltschaft bis 2015 in Syrien bei Militäroperationen des IS beteiligt haben, aber keine Anschläge in Deutschland geplant haben.

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