Feuer in Berlin-Marzahn : Plötzlich wohnungslos

Die Ursache für das Feuer in einem Berliner Hochhaus ist wohl Fahrlässigkeit. Nach dem Brand ist es unbewohnbar - aber es hätte noch katastrophaler enden können.

Rauch über Marzahn
Rauch über MarzahnFoto: Stefan Jacobs

Der Brand in einem Marzahner Hochhaus am Sonnabend hätte wohl noch weitaus katastrophalere Folgen gehabt, doch konnte die Feuerwehr die Bewohner rechtzeitig retten. Nach bisherigem Ermittlungsstand war zunächst ein Feuer in einer Küche in der dritten Etage ausgebrochen – fahrlässig, also versehentlich verursacht. Die Flammen aus der betroffenen Wohnung griffen zunächst auf eine weitere in derselben Etage über und breiteten sich anschließend über das Treppenhaus aus. Schließlich brannte noch eine Wohnung in der sechsten Etage. Das Treppenhaus stand zeitweise in voller Ausdehnung, also bis zum Dach über der zehnten Etage, in Flammen.

Nach Auskunft eines Feuerwehrsprechers „haben sehr viele Wohnungstüren angefangen zu brennen“. Die Türen seien aus Holz, das sich durchaus durch die extrem heißen Rauchgase entzünden könne. Dank „massivem Innenangriff“ habe die Feuerwehr diese Wohnungen und ihre Bewohner vor den Flammen bewahren können.

22 Menschen wurden verletzt

16 Mieter wurden mit Fluchthauben durch das verqualmte Treppenhaus gerettet, vier weitere per Drehleiter über einen Balkon. Insgesamt wurden 22 Menschen verletzt, drei davon etwas schwerer. Auch zwei Feuerwehrleute hätten Verletzungen erlitten, hieß es am Sonntag. Die Feuerwehr war zeitweise mit bis zu 200 Leuten im Einsatz.

Flammen schlagen aus mehreren Etagen des 10-Geschossers.
Flammen schlagen aus mehreren Etagen des 10-Geschossers.Foto: Stefan Jacobs

Die Beamten betreuten zunächst rund 50 Bewohner in einem Bus und in einer nahen Turnhalle. Die meisten von ihnen kamen nach Auskunft von Ordnungsstadtrat Johannes Martin (CDU) bei Angehörigen unter, lediglich drei hätten von den Behörden für die Nacht einquartiert werden müssen. Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle (Linke) sagte, sie habe bereits am Sonnabend Kontakt zum Landesamt für Flüchtlinge aufgenommen, „weil wir ja eine Unterkunft für Geflüchtete ganz in der Nähe haben“. Dort hätten die drei die Nacht verbringen können. Nun sollen für sie andere Ausweichquartiere gefunden werden. Die Wohnungsbaugenossenschaft hat laut Pohle bereits Kontakt zu anderen Gesellschaften aufgenommen, um Wohnungen zu akquirieren.

Wenig brennbares Material

Das zehngeschossige Gebäude an der Cecilienstraße ist 1983 gebaut und nach der Wende saniert worden – einschließlich einer Wärmedämmung an der Fassade, die den Flammen widerstand. Im Internet wird noch eine Wohnung in der zehnten Etage angeboten – für 5,50 Euro pro Quadratmeter plus Nebenkosten und Anteilserwerb. Die Genossenschaft wirbt mit der Option auf Gästewohnungen für Mitglieder.

Die massive Ausbreitung des Feuers ist auch deshalb bemerkenswert, weil die Plattenbauten aus jener Zeit in den Treppenhäusern nur wenig brennbares Material enthalten: Treppen und Wände sind aus Beton, Geländer aus Stahl. Potenziell brennbar sind allenfalls Sperrholz-Einsätze in den Treppengeländern, Handläufe aus Gummi, Linoleumfußböden sowie Tapeten. In vielen Fällen sind diese allerdings bei der Sanierung nach der Wende entfernt worden.

Erst nach Komplettsanierung wieder bewohnbar

Ob man das Haus mit Rauchmeldern ausgestattet hatte, war am Sonntag nicht zu erfahren. In den meisten Bundesländern sind die lebensrettenden Pieper bereits Pflicht, in Berlin gilt für Bestandsgebäude eine Übergangsfrist bis Ende 2020. Die Feuerwehr rät seit Jahren dringend dazu: Die meisten Brandopfer sterben nicht am Feuer, sondern am hoch giftigen Rauch.

Nach Auskunft von Stadtrat Martin will das Bau- und Wohnaufsichtsamt von Marzahn-Hellersdorf das Gebäude am Montag begehen und die Schäden im Einzelnen begutachten. Danach werde entschieden, ob die Bewohner in Begleitung der Feuerwehr ihre Wohnungen betreten dürfen, um persönliche Dinge zu holen. Medikamente und Papiere hatten Feuerwehrleute bereits kurz nach dem Brand aus einigen Wohnungen geholt.

Das Haus dürfte erst nach einer Komplettsanierung wieder bewohnbar sein. Dabei dürfte auch die Frage zur Debatte stehen, ob Holz ein geeignetes Material für Wohnungstüren in einem so großen Gebäude ist.

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