Berlin : Feuerwehr findet Munitionslager in brennendem Haus

Bei einem Einsatz mitten in Zehlendorf entdecken die Beamten ein ganzes Arsenal und zwei Leichen mit Schussverletzungen

Jörn Hasselmann

Minuten später hätte es geknallt. Doch die Feuerwehr war so schnell bei dem brennenden Sechs-Familien-Haus in Zehlendorf, dass die Flammen nicht das Munitions- und Waffenlager im Dachgeschoss erreichten. Dutzende Kisten mit Patronen und Pistolen fand die Feuerwehr nach dem Löschen – und zog sich sofort zurück. Zuvor waren in der brennenden Wohnung an der Eilertstraße zwei Tote mit Schussverletzungen entdeckt worden. Wie die Kripo ermittelte, soll der 44-jährige Jürgen L. seine schlafende Lebensgefährtin Gabriela K. im Bett erschossen und dann mit Benzin den Flur angezündet haben. Dort erschoss sich der Sportschütze dann – und die Flammen fraßen sich durch die Wohnung. „Die 41-Jährige wollte sich von dem Mann trennen“, sagte der Leiter der 5. Mordkommission, Michael Hoffmann. Ein sichtlich erschütterter Feuerwehrchef Albrecht Broemme sprach vor dem Haus von einer „fürchterlichen Entdeckung“. „Wenn die Flammen die Kammer in der Dachschräge erreicht hätten, hätte es geknallt“, sagte Broemme. Zum Glück hatte ein Nachbar um 2.45 Uhr Flammen gesehen und den Notruf gewählt. So konnten die anderen Mieter des Sechs-Familienhaus rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden. „Ich habe nichts geahnt und nichts gemerkt“, berichtete ein Mieter des Hauses Eilertstraße 25. Man habe nur gewusst, dass er Sportschütze war, „ein unauffälliger Nachbar“. Jürgen L. wohnte seit 17 Jahren dort, vor einigen Jahren zog Gabriela K. dazu.

In der Dachkammer hatte der Waffennarr massenhaft Pistolen, Gewehre und die dazugehörige scharfe Munition gehortet – insgesamt nach Schätzung der Polizei eine halbe Tonne. Die Kammer ging versteckt von einem umgebauten Badezimmer ab, „die war nicht so leicht zu finden“, sagte ein Ermittler. Experten der Polizei brachten den Fund am Vormittag zum Sprengplatz Grunewald.

Auch im Schlafzimmer hatte L. einen Waffenschrank aufgestellt. Daneben fand die Feuerwehr jetzt die erschossene Frau. In der Garage standen Panzerschränke. Darin lagen überwiegend originalverpackte Pakete mit Infanterie- und Kleinkalibermunition. Teilweise seien die Sachen aus Israel per Paketservice geliefert worden. „Auf den Paketen leuchtete noch der rote Gefahrgutaufkleber“, erzählte ein Polizeifeuerwerker. Für einige der Waffen soll Jürgen L. eine Erlaubnis gehabt haben, für die Mehrzahl nicht. Der Mann war Bewag-Angestellter. Bei der Bundeswehr war er nie, Waffen aus dem Zweiten Weltkrieg soll er auch nicht gesammelt haben.

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