Berlin : Feuerwehr konnte Werft nicht retten

Trupps hatten Probleme, Löschwasser zum Spandauer Ufer zu bringen. Schaden geht in Millionenhöhe

Jörn Hasselmann

Der Schaden geht in die Millionen. Ein Großfeuer hat Dienstag große Teile der bekannten Marina-Lanke-Werft in Spandau zerstört, mehrere wertvolle Boote wurden vernichtet. Gemeldet wurde das Feuer um 4.08 Uhr von einem Anwohner der anderen Uferseite der Scharfen Lanke, einer kleinen Ausbuchtung der Havel. Der Brand soll in den Büros des Werftchefs ausgebrochen sein.

Die Feuerwehr hatte zunächst große Probleme, Löschwasser herbeizuschaffen. Ein Lastwagen, der eine ausreichend starke Pumpe an Bord hatte, konnte nicht bis ans Wasser fahren, da das Werftgelände mit Booten vollgestellt war. Die vorhandenen Hydranten auf dem abgelegenen Grundstück gaben kaum Wasser ab. Deshalb mussten mehrere Löschfahrzeuge hin- und herfahren, um Wasser von den großen Hydranten der etwa 500 Meter entfernten Heerstraße zu holen. Ungehindert konnten sich deshalb die Flammen in die angrenzende Werfthalle mit Werkstatt durchfressen. Erst um 5.30 Uhr hatte sich ein Löschboot durch das Eis auf dem Havelarm gekämpft. Zu dieser Zeit stand jedoch der gesamte Komplex mit 1600 Quadratmetern Grundfläche im „Vollbrand“, wie es hieß.

125 Feuerwehrleute kämpften stundenlang gegen die Flammen an, noch mittags loderten im Dachstuhl immer wieder einzelne Flammennester auf. Mit Motorsägen wurde das Dach aufgeschnitten. Da die Halle und der Bürotrakt wegen geschmolzener Stahlträger einzustürzen drohten, konnte nicht mehr im Innern gelöscht werden – auch dies verzögerte die Arbeit der Helfer. Am Morgen stürzten dann beide Dächer und der Giebel zur Havel ein. Mehrfach erschütterten Explosionen das Gelände, verursacht von Gasflaschen und Benzinkanistern.

Drei größere Stahlboote verbrannten ebenso wie zwei historische Holzschiffe. „Das war das Herzstück der Werft“, sagte Werftchef Peter Twelkmeyer. Zum Glück sei die große Halle, in der etwa 50 Privatboote überwintern, nicht betroffen. „Ich bin froh, dass keines unserer Kundenschiffe beschädigt wurde. Ein Brand in der Winterhalle hätte einen weitaus höheren Schaden verursacht, hieß es.

Den größten persönlichen Verlust hat Rolf Schäfer erlitten, der seit einigen Monaten die Halle gepachtet hatte, um dort eine Reparaturwerft für historische Boote aufzubauen. Ihm gehören die beiden verbrannten Holzboote, darunter die 80 Jahre alte „Key Largo“, ein bei Seglern als „Nationaler Kreuzer“ bekannter Typ mit 35 Quadratmetern Segelfläche. Die „Key Largo“ wurde 1921 in Köpenick gebaut, in den vergangenen beiden Jahren hatte Schäfer sie liebevoll restauriert. „Es fehlten nur noch zwei Lackschichten.“ Den Wert der Segelyacht schätzte er auf 90 000 Euro. Vor 17 Jahren hatte er das schnittige Schiff erworben. Gegen 11 Uhr fotografierte Schäfer gestern verzweifelt die rauchenden Reste des Mahagonirumpfes. Mit den ersten Erklärungen der Feuerwehr gab er sich nicht zufrieden. „Wieso wurde nicht rechtzeitig gelöscht?“ Der Einsatzleiter der Feuerwehr, André Baumann, sagte, dass der Einsatz – wie bei Bränden dieser Größenordnung üblich – noch einmal untersucht werde. Dabei solle auch geprüft werden, ob alle Brandschutzbestimmungen eingehalten wurden. Da durch die Kälte das Löschwasser auf dem Gelände gefror, orderten die Feuerwehrleute morgens einen Container mit Streusand, um sich sicher bewegen zu können.

Das unter Denkmalschutz stehende Areal an der Scharfen Lanke wurde 1898 errichtet und ist 1983 umfangreich modernisiert worden. Twelkmeyer betreibt dort neben dem Hafen eine Segelschule und einen Bootsverleih. Die Ursache des Feuers ist bislang völlig ungeklärt. „Um 18.15 Uhr habe ich als letzter das Büro verlassen“, sagte Twelkmeyer. Nachts sei niemand auf dem Gelände, Wachschutz gebe es nicht. Er habe keine Vorstellung, wie das Feuer ausgebrochen sein könnte. Zumal es kaum Raucher unter den Angestellten gebe, sagte der Chef.

Auch die Experten stehen vor einem Rätsel – zumal das Feuer offenbar nicht in der Halle ausgebrochen ist, in der Geräte und brennbare Flüssigkeiten lagern. Ein Brandkommissariat hat die Ermittlungen aufgenommen. Doch wegen der andauernden Löscharbeiten konnten die Beamten bis zum Nachmittag nicht beginnen.

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