Berlin : Feuerwehrchef: U-Bahnhöfe brauchen zwei Ausgänge

Nach dem Anschlag in Südkorea – BVG setzt auf vorbeugenden Brandschutz / Elf Stationen werden nachgerüstet

Sigrid Kneist

Berlins Feuerwehrchef Albrecht Broemme hält doppelte Fluchtwege auf allen U-Bahnhöfen für unabdingbar. „Deshalb müssen Bahnhöfe mit nur einem Zugang schnellstmöglich nachgerüstet werden“, forderte der Landesbranddirektor gestern unter dem Eindruck der Brandkatastrophe im südkoreanischen Daegu. In Berlin wurden im Dezember erste Maßnahmen dazu begonnen. Bis zum Jahr 2006 will die BVG elf Stationen mit einem zweiten Ausgang versehen. Der Beginn der Bauvorhaben hatte sich in den letzten Jahren verzögert, da zunächst nicht die notwendigen finanziellen Mittel zur Verfügung standen und umfangreiche Genehmigungsprozeduren notwendig waren. Nach dem schweren Brand im Bahnhof Deutsche Oper im Juli 2000 hatte man sich zu diesen Sicherheitsvorkehrungen entschlossen. Auch die U-Bahnstation Deutsche Oper verfügt nur über einen Zugang; bei dem damaligen Unglück, bei dem ein Zug zum Teil ausbrannte, gab es rund 30 Verletzte, aber keine Todesopfer. Die Feuerwehr konnte alle 350 Fahrgäste retten, denen der einzige Fluchtweg zunächst durch den starken Rauch versperrt war.

Nach Angaben von BVG-Vorstand Hans-Heino Dubenkropp haben bisher die drei Bahnhöfe Viktoria-Luise-Platz, Rathaus Schöneberg und Schillingstraße einen zweiten Ausgang erhalten. Derzeit laufen die Bauarbeiten am Innsbrucker Platz. Sukzessive sollen dann die Stationen Britz-Süd, Theodor-Heuss-Platz, Sophie-Charlotte-Straße, Deutsche Oper, Uhlandstraße, Konstanzer Straße und Rudow umgebaut werden. Um die Sicherheit der Fahrgäste auf diesen Stationen zu erhöhen, sind die Bahnhöfe mit Personal besetzt, bis sie über den zweiten Fluchtweg verfügen.

Sowohl Feuerwehrchef Broemme als auch BVG-Vorstand Dubenkropp sagten, dass man einen Brandanschlag nie ausschließen könne. Kein Sicherheitskonzept könne die Tat eines Spinners oder eines Terroristen verhindern, sagte Broemme. Dennoch habe man viel getan, um die Auswirkungen eines Brandes so gering wie möglich zu halten. „Der vorbeugende Brandschutz hat absolute Priorität“, sagte Broemme. Die Züge seien mit schwer-entflammbaren Materialien ausgestattet, die ein Ausbreiten eines Brandherdes verzögerten. Zudem sei jeder U-Bahn-Wagen mit einem Feuerlöscher ausgestattet, die neuen Baureihen darüber hinaus auch mit einem Feuermelder. „Der zuverlässigste Melder ist aber der Fahrgast“, sagte Broemme. Der technische Leiter der BVG, Kurt Bayer, wies außerdem darauf hin, dass ein neues Funksystem bessere Kommunikationsmöglichkeiten geschaffen habe. Insgesamt ist der Sicherheitsstandard bei der BVG nach Meinung von Feuerwehrchef Broemme „zufrieden stellend“. Über Sprinkleranlagen, wie es sie beispielsweise in Hamburger U-Bahnen gibt, verfügen die Berliner Bahnen aber nicht.

Im Falle eines Brandes während der Fahrt empfehlen BVG und Feuerwehr die Notbremse zu ziehen. In diesem Falle halte der Zug auch nicht mitten im Tunnel, sondern fahre auf jeden Fall bis zum nächsten Bahnhof weiter. Durch den Notruf erhalte man sofort Kontakt zum Fahrer, der ein weiteres Vorgehen veranlassen könne. Auch ein Stromausfall wie in Daegu würde nicht dazu führen, dass der Zug mitten im Tunnel stecken bleibe. Die Abstände zwischen den Bahnhöfen seien so klein, dass der Zug auf jeden Fall rollend die nächste Station erreichen kann, sagte Dubenkropp.

Um schwierige Rettungsmaßnahmen in Tunnel und Bahnhof zu trainieren, veranstalten BVG und Feuerwehr zwei Mal im Jahr große Übungen. Zudem wird im Frühjahr eine Trainingsanlage im U-Bahnhof Jungfernheide eröffnet, bei der unter realistischen Bedingungen geübt werden kann.

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