Berlin : Florierende Geschäfte

Der ungewöhnlich milde Frühling beschert den Gartencentern einen guten Start in die Saison Nach einem verlustreichen Preiskampf schaut die Branche wieder optimistisch in die Zukunft

Christoph Stollowsky

Stiefmütterchen und Primeln – alle Töpfe weg. Veilchen, vom klassischen blauen bis zur Pinkblüte – ausverkauft. „Unser Start in die Frühjahrssaison war traumhaft“, sagt Marcus Pluta und zeigt in seinem Gartencenter in Dahlem-Dorf auf leere Regale. Bis Ostern werden die ersten Balkon- und Gartenblumen normalerweise noch in großer Zahl verkauft, doch 2007 griff Plutas Kundschaft wegen der milden Temperaturen schon viel früher zu. Und auch die klassischen Sommerblumen wie Geranien oder Petunien sind ihrer Zeit voraus: Sie kommen gleich nach Ostern in die Regale, heißt es in Berlins Gartencentern. Deren Inhaber sind mit jedem neuen Wetterhoch noch besser gelaunt. Dank des warmen Frühjahrs machen sie die Verluste aus dem frostigen Jahresstart 2006 wett und können im harten Konkurrenzkampf besser bestehen.

Bei diesem Ringen um Kundschaft müssen sich die 17 traditionellen Gartencenter der Stadt, die sich seit den sechziger Jahren aus Großgärtnereien entwickelten, zunehmend mit den Baumärkten auseinandersetzen. Mitte der 90er Jahre drängten „Obi“ oder „Bauhaus“ mit ihren Gartenabteilungen auf den Pflanzenmarkt, und neuerdings wollen auch Lebensmitteldiscounter wie Aldi und Lidl davon profitieren, indem sie Frühblüher palettenweise zum Tiefstpreis offerieren.

Vor fünf Jahren führte dieser Wettstreit um die Gunst der Hobbygärtner die Branche in eine heftige Krise: Das Gartencenter „Bajon“ am Spandauer Damm gab auf, in Marienfelde geriet die Firma „Pluta“, damals eines der größten Center Berlins, in die Insolvenz und konnte in Dahlem-Dorf nur verkleinert überleben. Im Herbst 2006 musste dann noch das Gartencenter „Tentrup“ zwei Standorte aufgeben, nur das Hauptgeschäft am Hohenzollerndamm wurde gerettet.

Doch inzwischen hat sich aus Sicht von Branchenkennern der Gartenmarkt wieder konsolidiert. „Zwei feste Kundenstämme haben sich in Berlin wie auch bundesweit herausgebildet“, sagt Martina Lok vom Bundesverband der Gartencenter. Die einen suchten vor allem besonders preisgünstige Waren und bevorzugen deshalb die billigeren Angebote der Baumärkte. Die anderen zahlten für ein Stiefmütterchen statt 70 Cent beim Discounter bis zu 1,50 Euro im Gartencenter, könnten dafür in der Regel aber zwischen mehr Sorten und Farben auswählen und erhielten meist etwas größere und kräftigere Pflanzen mit gut ausgebildetem Wurzelwerk. Außerdem würden sie dort ausführlich beraten.

Mit Lockworten wie Qualität, Preis und Service wird also die Kundschaft heftig umworben. Caroline Deutscher, Mitinhaberin des „Gartencenters Deutscher“ an der Mohriner Allee in Britz, sieht das Gedeihen ihres Geschäftes in diesem Frühjahr aber recht entspannt. „Wir können uns auf die Stammkundschaft verlassen“, sagt sie. Und auch die Zukunftsaussichten der Gartenbranche sehen zurzeit so rosig aus wie die ersten angebotenen Kletterrosen. Denn immer mehr Berliner wollen ein bisschen Natur um sich haben, auf dem Balkon, im begrünten Hinterhof, auf dem Dachgarten oder im Kleingarten. „Ein fehlender Balkon ist heute ein absolutes Vermietungsmanko“, weiß Erika Kröber von der Wohnungsbaugesellschaft „Degewo“. Bei den Plattenbausanierungen in Marzahn und Köpenick habe man deshalb im vergangenen Jahr 600 neue Balkone an den Fassaden angebracht. Entsprechend stieg in den umliegenden Gartengeschäften die Nachfrage nach blühendem Schmuck für „Balkonien“.

Auch Gesellschaften mit vielen Altbauten wie die „Gewobag“ bestätigen die wachsende Liebe zum Grün. So sind die „Mietergärten“ in den sanierten Dreißiger-Jahre-Siedlungen in Tegel-Süd gefragter denn je. Viele junge Familien bewerben sich um solche Oasen vor der Haustür. Ein Trend, den auch der Präsident des Berliner Kleingartenverbandes, Jürgen Hurt, feststellt. 80 000 Laubenparzellen gibt es in der Stadt, gut 40 Prozent werden heute von jungen Eltern bepflanzt – das verjüngt die Kundschaft der Gartencenter. Hurt: „Berlins Kleingärtner sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.“

Zurzeit bringen sie in ihren Kolonien schon die ersten Geranien ins Erdreich. Nach Ostern dürfte der Andrang auf die Sommerblumen dann gewaltig zunehmen. Bei „Pluta“ in Dahlem hat man vorgesorgt: Am Dienstag kommen die neuen Lieferungen.

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