Berlin : Flughäfen verschärfen Gepäckkontrollen

Strenge Regeln für Mitnahme von Flüssigkeiten. Ab Montag gelten die neuen Vorschriften

Rainer W. During

Passagiere, die am Montag von einem der Berliner Flughäfen zur Urlaubs- oder Geschäftsreise starten wollen, müssen mit erheblichen Wartezeiten bei den Sicherheitskontrollen rechnen. Verzögerungen dürfte es europaweit geben, da zeitgleich in allen EU-Staaten sowie der Schweiz, Norwegen und Island neue Sicherheitsregeln in Kraft treten. Danach ist vor allem die Mitnahme von Flüssigkeiten im Handgepäck drastisch eingeschränkt. Die Regelungen gelten auch in Großbritannien, wo nach den vereitelten Anschlägen mit Flüssigsprengstoff vom August ein generelles Verbot bestand.

Die Beschränkungen sollen die Gefahr solcher Terroranschläge reduzieren. Unter die neue Verordnung fallen nicht nur Getränke, sondern auch Cremes, Gels und Pasten vom Rasierschaum über den Deo-Stick bis zum Glas Honig. Erlaubt ist ab Montag nur noch die Mitnahme von Behältnissen mit jeweils maximal 100 Millilitern Inhalt. Die Gesamtmenge muss in einen durchsichtigen und verschließbaren Gefrierbeutel von einem Liter Volumen passen. Der ist bei der Handgepäckkontrolle gesondert vorzulegen. Ausnahmen gelten nur für Medikamente und Babynahrung. Wer die Handgepäckkontrolle passiert hat, kann weiterhin in Duty-Free-Shops einkaufen; die Einkaufstüten müssen während des Fluges aber versiegelt bleiben.

Passagiere, von denen die Anforderungen nicht erfüllt werden, werden zurückgeschickt. Sie müssen den Beutel dann im Flughafenhandel kaufen und mitgeführte Gegenstände umpacken. „Wir erwarten in den ersten Tagen längere Wartezeiten bei den Kontrollen“, sagt Ralf Kunkel von den Berliner Flughäfen. „Vor allem am Montag und Dienstag sollten die Passagiere nicht auf den letzten Drücker zum Airport kommen.“

„Wenn jemand erst 30 Minuten vor dem Abflug erscheint, könnte es Probleme geben“, fürchtet auch Wolfgang Weber von der Lufthansa. Die übliche Stunde sollte mindestens eingehalten werden. Wer noch früher komme, habe die Zeit möglicherweise gut angelegt. „Wir wissen nicht, wie es laufen wird“, sagt ein Sprecher der Bundespolizei. Denn bisher sei völlig unklar, in welchem Umfang die Reisenden über die neuen Bestimmungen bereits informiert sind und ihr Gepäck entsprechend vorbereitet haben.

Die Flughäfen wollen mit Plakaten, Merkblättern und über Bildschirme auf die Neuregelung hinweisen. Man werde am Montag das Personal verstärken, heißt es beim Sicherheitsunternehmen Securitas. Es nimmt die Passagierkontrollen in Schönefeld und Tegel im Auftrag der Bundespolizei vor. Zusätzliche Mitarbeiter wurden nicht eingestellt. Die Zahl der Sicherheitskräfte an den Berliner Flughäfen hat sich seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 ohnehin verdreifacht, so Airport-Sprecher Kunkel.

Ob der zusätzliche Kontrollaufwand auch zu einer weiteren Erhöhung der Luftsicherheitsgebühr führen wird, ist offen. Die von Bundespolizei und Länderbehörden festgelegte Gebühr ist von den Reisenden mit dem Ticketkauf zu bezahlen. Sie orientiert sich am Aufwand und an der Gesamtzahl der Passagiere des jeweiligen Flughafens. Erst zum 1. November hatte es eine bundesweite Neuberechnung gegeben. Der Satz pro Fluggast stieg in Schönefeld von 3,85 auf 4,16 Euro, in Tegel von 4,07 auf 4,95 Euro, in Tempelhof von 2,93 auf 4,34 Euro. Zum 1. Januar gibt es aufgrund der Mehrwertsteuererhöhung eine weitere Erhöhung. Dann sind in Schönefeld 4,24 Euro zu zahlen, in Tegel 5,08 und in Tempelhof 4,41 Euro.

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